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Jüdischer Volksbote · 1914-02-01 · 32 (2.1914) · p. Seite 492

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Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1914
Issue
32 (2.1914)
Date
1914-02-01
Page
Seite 492 (sequence 18)
Language
German
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— 492 Niemand wagte mehr eine Einrede, und so wurde des Kaisers Mordplan zum Beschluß erhoben. — Ehe Domitian die Mitglieder des geheime« Rates entließ, sprach er: „Bedenket, daß Ihr meine geheimen Räte seid. Jeder, der etwas von dem eben gefaßten! Beschlüsse verrät, wird mit dem Tode bestraft. Bewahrf das Geheimnis selbst Euren Weibern gegenüber." j Bei diesen Worten sah der Kaiser seinen Vetter Clemens mit finsterm Blicke an; ihm namentlich galt die Warnung des Tyrannen. XIX. Trotz des ausdrücklichen Verbotes des Kaisers beeilte sich Flavius Clemens den in Rom anwesenden Rabbinen von dem Beschlüsse des geheimen Rates; der nach dreißig Tagen vor den Senat gebracht werden! sollte, Kunde zu geben. Es war nicht die geringste Aussicht vorhanden, daß der Senat dem Plane des Kaisers entgegentreten würde. Die Senatoren zitterten für ihr Leben und überboten sich in Unterwürfigkeit. So ehrgeizig und herrschsüchtig auch Domitian war, so konnte er sich doch kaum der vielen Ehrenbezeugungen erwehren,! mit welchem der Senat ihn stets und bei jeder Gelegenheit überschütten wollte. Bor wenigen Tagen erst hatte des: Senat beschlossen, dem Kaiser eine aus röniischen Rittern bestehende Leibwache zu creiren; allein Domitian hatte diese hohe Ehre abgelehnt. Es war daher zu erwarten, daß der Senat ohne irgendwelchen Widerspruch den Mojrdplan des Kaisers genehmigen würde. Verzweiflung erfaßte die Hcrzci der Führer des jüdischen Volkes. Flavius Clemens tröstete sie. „Fürchtet nichts", sagte er, „Gött wird Euch nicht verlassen und Euch Rettung senden. War es doch ein Jude, der einst den böse» Anschlag Hcxnans vereitelte und jetzt zählt Judah viele fromme und hieilige Männer, um derentwillen sich Gott seines Volkes erbarmen wird". „Wenn wir nur wüßten", sprach Rabbon Ganiliel, „wie und in welcher Weise wir für unser Volk tätig sein könnten! Aber wir sieben ratlos und hilflos da. Uns bleibt keine andere Zuflucht als das! Gebet zu unserem Vater ini Himmel". «Fortsetzung folgt».

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