Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1914
- Issue
- 32 (2.1914)
- Date
- 1914-02-01
- Page
- Seite 485 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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485 MerernsLag dev „Isveien Weveinigung". Am Sonntag, den 25. Januar, fand in Frankfurt a. M. der ordentliche Vereinstag der „Freien Vereinigung für die Jntereffen des orthodoxen Judentums" statt, auf dessen Tagesordnung lediglich die Regularien: Berichterstattung und Wahlen standen. Der von dem Generalsekretär, vorgctragene nmfaffende Bericht über die Geschäftsperiode 1912/>3 verbreitet sich zunächst über die während der Berichtszeit geleisteten organisatorischen und propagandistischen Arbeiten, insbesondere die Bezirkstage, ermähnt dann den zum Regiernngsjubiläum des Kaisers geschaffenen „Kaiser Wilhelm- Jubiläums-Fvnds", sowie sonstige Stiftungen und geht dann zur praktischen Tätigkeit der Vereinigung über. Auf dem Gebiete der Gesetzgebung und Venvvltung beschäftigte sich der Vorstand in erster Linie mit der Sonntagsruhe-Angelegenheit, die zn einer ganzen Reihe von Eingaben an die Regierungsbehörden der verschiedenen Staaten Slnlaß gab. Der Bericht schildert die von der Vereinigung getroffenen Maßnahme» zum Schutze der Schechitah, sowie die Stellungnahme der „Freien Vereinigung" in Sachen der Staatsznschüffe an leistungsschwache preußische Synagogeugeineinden. Sehr intereffant sind die Mitteilungen, über die auf dem Wege ziemlich langivieriger Verhandlungen beim Kriegsminifterium erreichten Zugeständnisse zu Gunsten der religiösen Lebensführung der jüdischen Soldaten. Im Prinzip ist anerkannt worden, daß zu den jüdischen Feiertagen im Sinne der Garuisonsdienstordnung auch der wöchentliche Sabbath gehört, insbesondere sollen jüdische Soldaten nicht ohne Notwendigkeit znm Schulschießen oder z.un Schreiben herangezogen werden. Der Bericht stellt in dieser Angelegenheit ausführlichere Veröffentlichungen iu Aussicht. Des weiteren beschäftigt sich der Bericht mit dem Gesetz über den Erwerb und Verlust der Staatsangehörigkeit, sowie dem Wahlrecht der Ausländer in den Synagogengemeinden. Hinsichtlich der Erhaltung jüdischer Volksschulen hat die „Freie Vereinigung" wiederholt eingegriffen. Das Kapitel über die Tätigkeit der „Kommission für ländliche Wohlfahrtspflege" berichtet über die von der Vereinigung eingerichteten Schiurim, sowie über die Verteilung von guter, jüdischer Literatur in den Landgemeinden. Das Organ der Kommission, der „Jüdische Volksbote", ist regelmäßig erschienen. An Subventionen und sonstigen Aufwendungen auf dem Gebiete der „Ländlichen Wohlfahrtspflege" find in der Berichtsperiode über Mk. 20000.— verausgabt worden.