Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1914
- Issue
- 32 (2.1914)
- Date
- 1914-02-01
- Page
- Seite 479 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/4903180-5965947-5965989--690-4903828- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
479 Daß Hirsch den unendlich dadurch zum Verstummen Grundgedanken in sich ausgenommen hat. tiefen Geist der Thoragesetze aufgezeigt und gebracht hat die Abgefallenen, die sie als inhaltslose, rein äußerliche Zeremonien hingestellt; daß er mit hinreißender Beredsamkeit den Irrwahn gegeißelt, der in der Behauptung liegt, daß das Judentum nicht zeitgemäß sei und daß man es, das göttliche, nach den wechselnden Launen der Zeit ummodeln müffe und dürfe; daß er der Wahrheit Bahn gebrochen hat, daß das Judentum nur aus sich selbst heraus verstanden und gewürdigt werden könne und wolle und daß mit fremdem Maßstabe an es herantreten verhängnisvoller Irrtum sei — das ist immerhin dem bekannt, der überhaupt /eilninimt an den Vorgängen des jüdischen Lebens. Wie wenig aber ist noch geschehen, den unendlichen Schatz von Thoraweisheit, den seine Schriften enthalten und der wie nichts anderes in unserer Zeit jüdisches Leben zu wecken, zu stärken und dazu zu begeistern geeignet ist, für die Gesamtheit nutzbar werden zu lasien! Den Inhalt von Rabbiner Hirschs Schrifttum populär zu machen, dahin zu wirken, daß es mehr und mehr Gemeingut aller werde, das bleibt eine der bedeutendsten Aufgaben unseres Geschlechts. Almen wir heute schon die Größe des Meisters, so wird doch erst zukünftigen Zeiten das Riesenmaß seiner Gestalt vollauf zum Bewußtsein kommen. Und nicht in Jahrhunderten und nicht in Jahrtausenden wird ein Blatt welken au dem Ruhmeskranz, den ihm Israels Gesamtheit flicht Hatte Rabbiner Hirsch der Reform einen Damm entgegengestellt und durch seine Schriften und sein praktisches Wirken das orthodoxe Judentum — wie uns nun einmal die Gegner den Namen anfgedrängt wieder zu Kraft und Ansehen geführt, so wollte er damit nur den Boden geschaffen haben, auf dem ein durch umfassendes Lernen der Thora nach alter Weise sich unerschütterlich stark erhaltendes Geschlecht der ewigen jüdischen Aufgabe den Vätern gleich gerecht zu werden hätte. Die unerschütterliche treue Hingabe der Väter an Lernen und Leben des Thoragesetzes in die neue Zeit hinübcrzuretten, das war das Ziel seiner Lebensarbeit. In seinem! Geiste weiterwirken, heißt daher vor allem die Fahne des Thora st udiu ms allüberall in Stadt und Land a u>f p f l a n z e n, die Jugend nicht mit einem sogenannten jüdischen Religionsunterricht abspeisen, sondern zu den Quellen, Tenach, Mischno und Gemoro, führen, aus denen sie trinken soll bis an des Lebens Ende; in den Gemeinden die Erkenntnis zum Durchbruch und zur Un setznng iu die Tat bringen, daß zu den das jüdische Pflichtenleben gewährleistenden Institutionen in erster Linie Einrichtungen für das Studium der Thora durch Jung und Alt gehören, woraus ja allein eine ungeschmälerte Gesetzesübung erwachsen kann. Indem wir so des Schaffens Rabbiner Hirschs in großen Zügen gedenken, dürfen wir jedoch — zumal in diesen Blättern — eines