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Jüdischer Volksbote · 1914-02-01 · 32 (2.1914) · p. Seite 478

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Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1914
Issue
32 (2.1914)
Date
1914-02-01
Page
Seite 478 (sequence 4)
Language
German
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478 I haben. So war's auch in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts. Die Ghettomanren hatte man beseitigt. Das Licht einer anderen Welt drang in die jüdischen Gassen und Häuser. Ungewohnt und in seinem Glanz bestechend blendete es manches Jünglings Auge, daß es nicht mehr das ewige Licht der Tbora zu erkennen vermochte. Jmnler größer ward die Zahl derer, die, die Lehre der Väter verkennend, abfielen vom überlieferten Heiligtum, es fanden sich yv '«'n, die dem praktischen Abfall die theoretische Grundlage schufen, die Reform setzte ein mit ihrer ganzen Macht und warf die gegen solchen Ansturm nicht gerüsteten Gesetzes treuen nieder. Da mag gar manches treue Herz an dem Sieg der heiligen Sache gezweifelt haben, da mag gar mancher Mund, in dem das Wort der Thora lebte, stumm geblieben sein gegenüber dem Jubelgeschrei derer, die dem Judentum, wie es vom Sinai her auf uns gekommen, das Nahen der Todesstunde verkündeten. Und dennoch 10^ jj?1?' "ns prw' o’otpn „Der im Himmel thront, lacht darob, mein Herr spottet ihrer." Gott hat, wie er so häufig in der Geschichte für seine Thora in wunderbarer Weise in den Kampf eingegriffen, auch dieses Mal die Gebeugten aufgerichtet. Er sandte einen Boten, der das im Staub liegende Panier des überlieferten Judentums mit starkem Arm erhob, der mit seinem Adlerblick die Gebrechen der Zeit erkannte und am rechten Ort den Hebel!ansetzte, der mit der Kraft seines Geistes die Herrlichkeit des Thorai gesetzes und Thorawortes einer staunenden Mitwelt zum Bewußtsein! brachte, der den Treugebliebenen Mut und Hoffnung einflößte und 1 auch die Gegner, die schon den Sieg in Händen zu halten gewährt,! zur Achtung und Anerkennung des gesetzestrenen Judentums als einer lebendigen Macht nötigte. Wer dieser Gottesbote war, das ist heute auch in der letzten j jüdischen Dorfgemeinde bekannt. Und wenn wir in diesem Jahre am : 27. Teberh zum 25. Male den Tag wiederkehren sehen, an dem Rab-! biner S. R. Hirsch dieser binira Shji -,«% von der Erde ge-! schieden, so geschieht es mit der Erkenntnis, daß der Name dieses! Regenerators des Judentums seit seinem Tode nicht nur nicht an j Größe verloren, sondern heute lebendiger ist im Bewußtsein unseres I Volkes denn je. Selbst diejenigen Kreise der Judenheit, die mit! Rabbiner Hirsch als ihrem gewaltigsten Gegner in bitterstem Kampfe i lagen, die, weil sie ihn nicht zu widerlegen vermochten, ihn zum! finstere» Fanatiker zu stempeln und als solchen bei den Zeitgenosse» ■ herabzusetzen suchten, müssen sich heute beugen vor der überragenden : Macht dieser Persönlichkeit und wagen nur noch in dem Tone höchsten! Respektes von ihm zu reden. Dabei hat das Werk Rabbiner Hirsch's erst begonnen sich Eingang in die jüdischen Gemüter zu verschaffen, und es ist noch erst! eine verhältnismäßig kleine Schar, die davon mehr als ein paar

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