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Jüdischer Volksbote · 1913-12-01 · 31 (12.1913) · p. Seite 466

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Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1913
Issue
31 (12.1913)
Date
1913-12-01
Page
Seite 466 (sequence 12)
Language
German
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466 Und ftej gingen weiter über Feld und Flur, über Berg und Tal, durch Wald und Wiese, und daS zarte Kind wurde immer müder und schwächer und quälte unaufhörlich den Vater mit derFrage,wo fich eigentlich die Stadt befinde^ und wann sie dorthin gelangen werden. „Höre, mein Kind/ sprach endlich der Vater, über die lästigen Fragen des Kindes erzürnt, .wenn du einen Friedhof stehst mit Gräbern und Leichensteinen, dann kannst du dich zu freuen anfangen, denn dann sind wir in der Nähe der Stadt. Denn eine Stadt ohne Friedhof ist undenkbar, ebenso ein Friedhof ohne Stadt. Wenn du also einen Friedhof siehst, dann wiffe, daß die Stadt nicht ferne ist, und dann freue dich, denn dann find wir unserm Ziele sehr nahe." — to ova ", ■jijr „Gott wird dich erhören am Tage der Not". Wenn deine Hoffnungen vernichtet werden, deine Wünsche unerMt bleiben, wenn deine Pläne fehlschlagen, wenn alles über dir zusammenzubrechijn droht und du schon keinen Ausweg vor dir siehst, dann, o Mensch, beginne erst recht, zu glauben und zu hoffen auf die Hilfe deines Gottes. Wo die Not am höchsten, dort ist die göttliche Hilfe am nächsten. Eine Stadt ohne Friedhof ist fast undenkbar und kommt nur selten vor. Glück und Zufriedenheit ohne anstrengende Arbeit, ohne vorangegangene Mühen, Sorgen, Leiden, Kummer und Enttäuschungen, wie wenigen sind sie vergönnt und beschieden. Ohne Fleiß kein Preis, und ohne Arbeit kein Lohn. Häufig, sehr häufig kommt es vor, daß der scheinbare Friedhof, der Ort der Tränen und Trauer, sich als eine Stätte erweist, wo uns Freude erwartet und das Glück, daß das, was wir am meisten fürchteten und uns als das traurigste ünd schrecklichste erschien, sich später als das Gegenteil erwies: als der Ort auch unseres Glückes und unserer Freude. Was wir anfangs als unser größtes Mißgeschick bezeichnen, pflegt sich häufig zu unserm Heile und Wohle zu gestalten. Der eine mußte frühzeitig Later und Muttes verlassen und den Wanderstab ergreifen, um in der fernen, fremden Welt sein Brot zu suchen. Dies erschien ihm anfangs als ein großes Mißgeschick. Und doch erwuchs ihm daraus Heil und Segen. Denn dadurch hat er sein Glük gefunden und seine Zukunst begrünbet. Einem andern wurde plötzlich sein Nahrungszweig abgeschnitten; er verlor seine Stellung, sein Brot. Und gerade dies gestaltete sich später zu seinem Wohle. Denn er schuf sich einen neuen Wirkungskreis und er erzielte größere Erfolge als früher. Auch für ihn kam nach dem Friedhof die Stadt, nmn rno cs'van mjt iinoi „Aus der Not selbst entstand für ihn Glück und Freude". Dasselbe sehen wir auch in der Geschichte unseres Volkes, in der Geschichte Israels. Die Not und Bedrängnis wird häufig für Israel die Quelle des Segens und des Heiles. Seinen Leiden und Qualen verdantt Israel seinen Bestand und seine Zukunft. Wer weiß, ob wst heute noch an unser Judentum gedacht hätten, wenn man uns nicht auf Schritt und Tritt erinnert hätte, daß wir noch Juden sind. Und wer weiß, ob wir stioch unserm Glauben ^reu geblieben wären, l

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