Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1913
- Issue
- 30 (10.1913)
- Date
- 1913-10-01
- Page
- Seite 441 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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441 Rauschender Beifall folgte all diesen Rednern. Es wurden Briefe und Telegramme bekannt gegeben, abgesandt von treuen Freunden der „Freien Vereinigung" und alsbald bestieg der erste Referent, Herr Abr. GrLn - baum-Nürnberg den Rednerpult, um sich über „die Entwicklung 'Palästinas und die Mitwirkung der Freien Bereinigung daran" zu verbreiten. Herr Grünbaum ist in großen orthodoxen Versammlungen kein Unbekannter und jeder weiß, wie ernst er einen Gegenstand behandelt, den er einmal ins Auge gefaßt. Der Referent, der vor Jahrzehnten selbst jns zu Forschungszwecken besuchte, zeigte die Entwicklung der jüdischen Siedelungen Palästinas von vor 100 Jahren bis zur jetzigen Höhe mit 80000 Seelen, die Entstehung der Verwaltung der „Pekidim und Amarkalim" in Amsterdam zur Hebung der sozialen Verhältniffe des heiligen Landes und den Unterschied zwischen dem alten und modernen 3UP\ An der Hand statistischer Unterlagen zeigte er das Mitwirken der „Freien Vereinigung", namentlich auch beim Schulwerke dortselbst. Jeder Jehudi müffe hier mittun. Auch ihn lohnte reichverdicnter Beifall. Hierauf sprach Herr Lehrer A. Mannheimer-Dettelbach über „Lernen in den Gemeinden, Notwendigkeit und Möglichkeit desselben". Im ersten Teile wies der Redner darauf hin, wie die Ignoranz die Mutter des Jndifferentismus bildet, daß die Thora Volksgut sei und werden müsse wie in früheren Jahren, wo man das Lehrhaus über die Synagoge schätzte. Im zweiten Teile schöpfte der Referent aus der reichen Fülle langjähriger Erfahrung auf pädagogischem Gebiete und bewies, daß und wie man das „Lernen" wieder in die Höhe bringen könne, namentlich bei der Jugend. Die persönlich erzielten Erfolge bestärkten ihn mehr und mehr darin. Jedermann fühlte, wie ernst es dem Referenten mit seinen Darlegungen ist und wie nötig es sei, eine Wandlung zum Besseren herbeizuführen. Starker Beifall wurde ihm zuteil. Einen Hochgenuß bot der dritte Referent, Herr Rabbiner Dr. A. K l e.i n - Nürnberg. Mit der scharfen Waffe der Logik ist er schon oft in Versammlungen gegen die „Richtlinien" aufgetreten, so in Posen und Nürnberg. Auch in Kitzingen zeigte er den Versammelten das „Wesen und Wirken" der „Richtlinien", indem er schonungslos das Bild der nackten Wahrheit vor den Augen der Zuhörer enthüllte. Jeder Anwesende verstand und konnte verstehen, welche Gefahr in diesem neuesten Reformsystem liegt und wie man sein Heiligstes bedroht fühlen müsse. Spannend hörte die Versammlung dem lebhaft bewegten Redner zu und spendete donnernde Zustimmung. Nun aber trat die Fidelitas in ihre Rechte. Ein urkomisches Telefongespräch zwischen Reb Maier und Reb Chaim schilderte i» buntem Durcheinander die unendlich vielen Pflichten der „Freien Bereinigung" und als sie nach „drei Minuten" das Hörrohr weg legten, hatte die Nhr schon ein Viertelstündchen durchlaufen. Aehnlich ergötzten sich die Anwesenden an dem humoristischen Vortrag, der die jüdischen Mizwaus in reizvoller Form aneinander reihte. Der „Chason" (Herr M. Mayer-Frankfurt a. M) wurde von Frau Rosa Sonder - Kitzingen auf dem Klavier begleitet. Dazu bot sich den