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Jüdischer Volksbote · 1913-10-01 · 30 (10.1913) · p. Seite 440

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Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1913
Issue
30 (10.1913)
Date
1913-10-01
Page
Seite 440 (sequence 6)
Language
German
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440 I herbei in froher Erwartung der genußreichen Stunden, die der Bezirkstag bringen werde. Und wahrlich, jeder kam auf seine Rechnung. Gleilch Schlüchtern war auch in Kitzingen die jüdische Lehrerschaft stark vertreten und die Kultusvorstände der Umgegend erschienen fast vollzählig. Dasreiche Programm brachte ja genug des Interessanten, das Schule und Gemeindewesen berührt. Das zeigte schon der Nachmittag, als um 2 Uhr die „Kommission für ländliche Wohlfahrtspflege" ihre Sitzung abhielt. Der Vorsitzende der Kommission, Herr Louis Kahn jr.-Frankfurt a. M., bot ein Bild dessen, was hier schon geleistet wurde seitens der „Freien Vereinigung" und was noch zu leisten ist. Er belegte vieles mit statistischen Zahlen, die bewiesen, daß in der Stadl nicht alles Gold ist, was glänzt. Ein ausführliches Referat des Herrn Oberlehrer Josef Kaufmann-Frankfurt a. M. zeigte die Motive auf, welche den Rückgang, der Landgemeinden herbeiführen und brachte manches beachtenswerte Mittel zur „numerischen Stärkung der Landgemeinden" in Vorschlag. Daran schloss sich eine rege Debatte der Kultusvorstände und Lehrer und sonstiger Vertreter von Gemeinden. Und wenn auch in einer kurzen Stunde das schwerwiegende Problem nicht gelöst werden kann, Klärung und Aufklärung bringt die Aussprache doch mit sich. Und das ist schon ein wesentlicher Gewinn. Nach Verlauf dieser Sitzung füllte sich der Saal mehr und mehr. Klein und Groß, Jung und Alt, Damen und Herren nahmen an den langen Tischen Platz und selbst die Galerie war dicht bevölkert. Das war ein Stimmengewirr und Rauschen, ein Händedrücken und Grüßen, ein „Borstellen" und Fragen, ein Winken und Rufen. Jeder suchte und fand traute Freunde, liebe Bekannte. Da ertönte das erste Glockenzeichen: man möge sich im Nebensaal zum nmv'Gebet sammeln! Nach Beendigung des letzteren hieß es Platz nehmen. Es war 4 Uhr vorbei. Auf Ersuchen des Vorsitzenden, Herrn Distrikts-Rabbiners Dr. Wohlgemuth-Kitzingen, sprach Fräulein Erna Klugmann einen hübschen Prolog, der nebst dem Willkommengruß da4 Gelöbnis der Thoratreue zum Inhalt hatte. Alsdann hieß Herr Distrikts- Rabbiner Dr. Wohlgemuth-Kitzingen die Versammlung herzliche willkommen unter Hinwejs auf den verlesenen Wochenabschnitt. Er zog eine sinnreiche Parallele zwischen der „Freien Vereinigung" die ihren ersten Bezirkstag hier halte und! dem Hinrragen der o'TD3 ins Heiligtum. Ihm folgte der erste Kultusvbrstand von Kitzingen, Herr Benjamin Stern und Herr Lehrer N. B!a m b e r g e r, die ebenfalls ihrer Freude Ausdruck gaben über die Wahl Kitzingens zum Bezirkstag. Namens des Vorstandes der „Freien Vereinigung", zeichnete Herr Jacob Rosenheim -Frank» furt a. M., ein Bild der weitverzweigten Tätigkeit der „Freien Vereinigung" und berührte deren bisherigen Erfolge, welche mit Gottes Beistand dem bb: zum Heih und Segen gereichten. Die starke Organisation oerbürge dem gesetzestreuen Judentum Selbstvertrauen, Muk und Erfolge da, wo die Kräfte Einzelner nicht ausreichen. Darum verbinde er mit seinem Gruße die Bitte, liebevolles Interesse der „Freien Vereinigung" entgegen» zubringen und sie zu stärken.

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