Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1913
- Issue
- 29 (8.1913)
- Date
- 1913-08-01
- Page
- Seite 433 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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fV< — 433 — jenem schauerlichen Mahle benutzt hatte. Diese und der Sklave, der sie überbrachte, warerr ein Geschenk des Kaisers, eine Entschädigung für den ausgestandenen Schrecken. * XVI. Als die Rabbinen in Rom ankamen, herrschte dort großer Festjubel. Kaiser Domitian hatte die kapitolinischen Wettkämpfe in Rom eingeführt. Bei diesen sollten Gedichte zu Ehren der Gottheiten vorgetragen werden, denen die Feste gewidmet waren; statt dessen war es der Kaiser selbst, der den Gegenstand der dichterischen Huldigungen bildete. Die besten Dichter jener Zeit Martial, Stativs und Quinctilian überboten sich in überschwenglichen Lobeserhebungen. Der Kaiser führte dabei den Vorsitz, mit einer goldnen Krone und einem Purpurkleide geschmückt, umgeben von Priestern in gleichem Schmuck. So verteilte er die Preise, welche in Kränzen von goldnem Eichenlaub bestanden. Während das Volk^jubelstt, die Soldaten dem freigebigen Imperator zujauchtten, hatten sich Schrecken und Angst der Senatoren unX der edlen Familien Roms bemächtigt. Unter den Wichtigsten Vorwänden wurden die edelsten, besten und,>vorzualichsten Bürger der Stadt angeklagt und hingerjchtet. Die hervorragendsten Opfer der Grausamkeit dyS Kaisers n»aren drei durch ihre Stellung wie durch den Ruf ihrer Tugend gleich ausgezeichnete Männer, Herennius Lenecio, Arulenus Rusticus und Helvidius Priscus. Die beiden ersteren waren angeklagt, Lobschriften auf Männer gemacht zu haben, die dem Kaiser mißliebig waren; der dritte sollte ein Gedicht verfaßt haben, in welchem sich Anspielungen aufdie Trennung des Kaisers von seiner Gemahlin befanden. Die Kaiserin war nämlich eines unsittlichen Verhältnisses mit einem Tänzer namens Paris, den ganz Rom bewunderte, überführt worden. Der Kaiser hatte darauf den Tänzer auf öffentlicher Straße ermorden laffen und als die Bewunderer und Verehrer des schönen Tänzers die von seinem Blute befleckte Stätte mit Blumen bestreuten, wurden sie ergriffen und zum Tode verurteilt. Die ungetreue Gemahlin war in die Verbannung geschickt worden; aber Domitian konnte die Trennung von ihr nicht ertragen und hatte sie wieder zu sich berufen und sie, wie es in dem betreffenden Decrete heißt, seinem „heiligen Pulvinar" zurückgegeben. (Fortsetzung folgt.)