Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1913
- Issue
- 28 (6.1913)
- Date
- 1913-06-01
- Page
- Seite 399 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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399 alte Stimme, die so freundlich spricht »nd über die weite Strecke der Vergangenheit zu uns kommt, sie wird euch sagen, daß, wie arm und gering ihr in den Auge» der Welt sei» wöget, ihr groß und edel vor dem Anblicke Gottes seid. Sie wird euch sagen, daß der reichste, mit den kostbarsten Edelsteinen bedeckte und in glänzendem Palaste wohnende Wann nichts Wertvolleres oder Rühmlicheres als ihr besitzt. Gottes edelste Gabe ist allen seinen Kindern geworden: eine Seele, geschaffen in seinem Ebenbilde und bestimmt, ewig zu leben. Die Stimme wird euch sagen, wie sehr Gott diese unsterbliche Seele liebt und wie sie sich für ihre unendliche Heimat Lbei^ und vervollkommnen soll; wie Gutes und Uebles, Kummer und Freude, Armut und Wohlstand abwechselnd ausgesandt sind, um zu reinigen und zu •züchtige», um unsere Seele und unser Gemüt zu unterrichten und zu stärken, sie schön und rein, sie zu einem entsprechende» Heiligtume zu machen, in welchem der Geist Gottes seine Wohnung aufschlage. — i Ihr möget durch die Arbeit der Woche in euch die Neigung gefühlt haben, euch über die Härte eures Schicksals, über die llcbel, die ihr ertragen müsset, zu beklagen; diesen Abend werde» sie vcrgeffen oder besser demütig ausgenommen werden, als von einem Vater kommend, der Ireuvoll über seine Kinder wacht. Diese feierliche Erinnerung, daß ihr Kinder. Gottes seid, einen Geist habt gleich dem Seiuigen, ihr Geschöpfe seiner Liebe, wird ein Licht auf euren Weg verbreiten, und er wird nicht mehr so dunkel und ermüdend sein. Ihr möget eine höhere Stellung, ein sorgenloseres Leben, mehr Bequemlichkeit, mehr Vermögen, mehr Auszeichnung gewünscht haben; dieses eitle Sehnen wird aufhören, wenn ihr euch an diesem Abend erinnert, daß, wenn alle diese äußerlichen Dinge vergangen, wenn alle Pracht und Ehre der Erde in den Staub gesunken sind, noch eure Seele und euer Geist in einer ewig dauernden Heimat leben wird. Mütter! wenn ihr euch diesen Abend in Gebet über eures Kindes Wiege neiget, so wird der rosige Schläfer mehr als sonst enren Augen ge- heiliget erscheinen. Euer Herz ist weniger beunruhigt und ängstlich für seine weltliche Wohlfahrt, denn ihr habt höhere und edlere Hoffnungen für das Kind eurer Liebe, ihr seid zufriedener mit dem irdischen Lose das Gott zhm zugeteilt, und ihr werdet mit um so lebendigerem Eifer streben, diese junge Seele rein und gut und wahrhaft würdig ihres Gottes und Vaters ju machen. Junges Mädchen! Heute Abend soll der Zuruf der Eitelkeit, das Geflüster des Stolzes, das vielleicht durck die Woche sich bei dir Eingang verschafft, zum Schweigen gebracht werden; nur die feierliche Stimme, die, zuerst treu dir selbst und Gott zu sein, werde gehört. Greis! der du schwach und müde von den langen Kämpfen des Lebens an deffen Rande stehest, dein Herz fühlt sich diesen Abend jung, jung durch die Hoffnung der Unsterblichkeit. Dir ist dieser Sabbat ein Vorbild, ein Versprechen des ewigen Sabbats, der Jene erwartet, welche lieben und dienen ihrem Gott, und dein Schlaf wird so ruhig und glücklich sein, wie der des Säuglings, der in seinem jungen Leben noch nicht Sorge und Kum-