Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1913
- Issue
- 26 (1.1913)
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 369 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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369 künftigen Schwiegersöhne einen seiner hochbegabten Schüler ausersehen. Als Sulamith davon erfuhr trat sie vor ihren Vater hin und sprach: „Zürne mir nicht, mein Vater, ob des Geständnisses, welches ich Dir zu machen habe. Siehe in unserer Nachbarschaft wohnte ein Knabe, der sich vor allen anderen durch große Geistesgaben auszeichnete. Wir spielten als kleine Kinder zusammen, uud als er einst von mir verlangte, ich sollte ihm versprechen, wenn wir erwachsen sein würden, seine Frau zu werden, da sagte ich zu ihm: Gehe hin und lerne und werde ein großer Mann in Israel; dann komme wieder und ich will Deine Frau werden'. Lächelnd hatte Rabbi Akiba derj Erzählung seiner Tochter zugehört, und als sie geendet hatte, sprach er: „Fürchte Dich nicht, mein liebes Kind, ich werde Deinen Wünschen nicht entgegentreten. Du hast ja nur das alte Sprichwort bewährt: Das Lamm macht es gerade so, wie das Schaf es getan*). Und nun sage mir, wer ist Dein Erkorener?' „Er heißt Schimeon und ist der Sohn des Asai". „Ah, mein Freund und Schüler den Asai! Wahrlich mein Kind, Du hast keine schlechte Wahl getroffen." Unsere Weisen erzählen von ben Asai, daß er „die „Berge zu entwurzeln" verstand, wie kein anderer vor ihm und nach ihm. Dieser Ausdruck bedeutet im Talmud den höchsten Grad von Scharfsinn; die geistigen Fähigkeiten ben Asais waren so bedeutend, sein durchdringender Verstand war so groß, und er selbst mar sich dessen so bewußt, daß ihm alle Weisen und deren Wissen nur gering erschienen, alle Weisen Israels - mit Ausnahme Rabbi Akibas, den allein er als seinem eigenen Wissen überlegen anerkannte. Rur Eines war es, was die geistigen Fähigkeiten ben Asais noch übertraf, und das ivar seine grenzenlose Liebe zur Thora, die sich in unaufhörlichem Forschen und Studieren äußerte. Die Thora war und blieb Asais einzige Geliebte während seines ganzen Lebens. Deshalb kam ihm die Botschaft Rabbi Akibas, die ihm die Tochter des gefeierten Lehrers zum Weibe anbot, nicht gerade erfreulich. (Fortsetzung folgt). •> 6in Woivviel. da Rahel .Schaf" bedeutet; die Tochter macht eS wie ihre Mutter Ratzel.