Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1912
- Issue
- 23 (7.1912)
- Date
- 1912-07-01
- Page
- Seite 309 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/4903180-5965941-5965977--505-4903654- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
309 der Germanen; sie entflohen. Die Römer aber verfolgten sie und nahmen viele von ihnen gefangen. Da schickten die Chatten Gesandte an den Kaiser und versprachen Unterwerfung. Ein für die Römer sehr vorteilhafter Vertrag wurde abgeschlossen, und die großen Folgen dieses glücklichen Feldzuges sind zu erkennen aus der Ruhe, die in dieser Gegend zu herrschen fortfuhr, und aus der romanisirten Bevölkerung in den angrenzenden Distrikten, welche Rom wenige Jahre später in den Stand setzte, sie für immer mit dem Reiche zu verbinden. Voller Siegesfreude eilte der Kaiser nach Rom zurück. Der Senat schickte ihm eine Deputation entgegen und ließ ihm verkünden, daß er ihn des Triumphes für würdig erachte. Domitian blieb deshalb so lange außerhalb der Mauern der Stadt, bis die Vorbereitungen zu der Feierlichkeit beendigt waren. Dann rückte er an der Spitze seiner Truppen, angetan mit den Insignien des mllitärischen Commando's, durch das Siegestor in die Stadt ein und zog durch die vornehmsten Straßen nach dem Capitol, wo er dem Jupiter das nationale Opfer darbrachte. Der Kaiser fühlte sich durch die ihm zu Teil gewordenen Ehren im höchsten Grade beglückt. Das Volk applaudirte. Die Soldaten, welche eine Zulage zu ihrer Löhnung erhalten hatten, erhoben, als er in die Stadt einzog, ein Freudengeschrei hinter ihm her und schwangen ihre furchtbaren Waffen. Die Dichter sangen ihm Loblieder. Der Senat gab ihm den Beinamen „Germanicus* und legte diesen Namen dem Monat September bei. Inmitten seiner Freude ließ der Kaiser die jüdischen Deputirten vor sich kommen, dankte ihnen für die köstliche Gabe, welche sie ihm überbracht hatten und ließ reiche Geschenke an sie verteilen. Nachum und seine Begleiter rüsteten sich zur Heimfahrt. Akiba verabschiedete sich von seinen gütigen Wirten, von Clemens und Domitilla. „Du wirst nun von uns scheiden", sprach die Letztere, „aber das Samenkorn, das Du in uns gesäet hast, wird in uns aufgehen. Mein Gatte und ich, wir fühlen uns schon von der Ueberzeugung durchdrungen, daß der Gott Israels der einzige Gott ist und kein Gott außer Ihm". „Wer von den Heiden", antwortete Akiba, „zur Erkenntnis des einzigen Gottes gelangt, der gleicht unserm Vater Abraham. Auch er lebte inmitten einer heidnischen Welt. Sein Vater, seine Mutter, seine Geschwister und die ganze damals lebende Menschheit waren Götzendiener."