Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1912
- Issue
- 23 (7.1912)
- Date
- 1912-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Organ feer (Tommiffl^n für Ländliche Wohlfahrtspflege der freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums. »ll.it,! Mo. 23. Frankfurt a. M., Aw 5672 1912 Trschoy b'Aw. Es ist nun schon ziemlich lange — vielleicht 60 -70 Jahre her, seit die ersten Vertreter der sogenannten Reform wie mit so vielem anderen Jüdischen, so auch mit dem 9. Ab oder wenigsten? mit der Trauer an diesem Tage aufräumen zu müssen glaubten. Es waren die Jahre, in denen die Emanzipation der Juden auf der Tagesordnung stand, und von der zu erlangenden völligen Gleichberechtigung erhoffte man die Erlösung, die endgültige Erlösung der Judenheit vom tausendjährigen Leid des Golus. Warum, fragte man, sollen wir noch den Verlust des heiligen Landes betrauern, wozu die Rückkehr dorthin, die Wiederaufrichtung des Tempels und des jüdischen Reiches herbeisehnen. Unser .gelobtes" Land ist Deutschland und ein Jerusalem ist / uns die Stadt, in der es uns am besten gefällt. In diesem Taumel, den die bloße Aussicht auf völlige Gleichstellung mit den christlichen Staatsbürgern erregt hattet erschien die Klage am Tage der Tempelzerstörung als unzeitgemäß und veraltet. Wozu um Zion trauern, wenn Zions Söhne sich längst mit ihrem gegenwärtigen Glück über den Verlust des vergangenen getröstet hatten? Die Zeiten sind andere geworden. Der Freudentaumel ist längst der Ernüchterung gewichen, und der in den Augen des damaligen Geschlechtes so heitere Himmel hat sich mit grauschwarzen Wolken bezogen.