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Jüdischer Volksbote · 1911-12-01 · 19 (12.1911) · p. Seite 326

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Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1911
Issue
19 (12.1911)
Date
1911-12-01
Page
Seite 326 (sequence 6)
Language
German
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326 U»$m 6c>i$$wittel. Der Alkohol. Von Dr. Ae» Zi«n. Der Leser erinnert sich vielleicht, bis vor einem halben Jahre aw dieser Stelle Abhandlungen über die Hygiene der täglichen Ernährung, gelesen zu haben. Wir wollen diese Betrachtungen im Folgenden fortsetzen. Wir hatten von den Nährmitteln die Genußmittel unterschieden^ welch letztere zwar an sich keinen unmittelbaren Nährwert haben, uns aber dennoch unentbehrlich geworden sind, weil sie erst die eigentlichen Nährmittel genußfähig machen. Eines der verbreitetsten Genußmittel ist der Alkohol, der in Gestalt von Bier, Wein und Branntwein in ungeheuren Mengen konsumiert wird. Daß mit dem Genuß von Alkohol viel Mißbrauch getrieben und viel Schaden angestiftet wird, ist allgemein bekannt. In kleinen Mengen ist er sicher ebenso unschädlich wie alle anderen Genußmittel, wie Kaffee, Nikotin und Pfeffer; produziert doch die chemische Fabrik in unseren Körpern selbst geringe Mengen Alkohol. Nur ein. Uebermaß ist schädlich. Die Schwierigkeit für schwache Naturen liegt aber eben darin Selbstbeherrschung zu üben und der Versuchung nicht zu unterliegen. Die moderne Mäßigkeitbewegung macht ja unzweifelhafte Fort-- schritte. Wahrscheinlich wäre der Erfolg auch heute schon bedeutender gewesen, wenn nicht zahlreiche Vertreter dieser Bewegung aus Grauen vor den furchtbaren Folgen der Trunksucht, der Schnapsseuche zu weit gegangen, wären und den Alkoholgenuß als eine Sünde, den Alkohol als ein Gift verschrieen hätten. Das geht natürlich zu weit. „Ein Gläschen in Ehren kann niemand verwehren", lautet ein alter Spruch und auch unsere Väter im heiligen Lande wußten den köstlichen Traubensaft, wie viele Stellen der Bibel beweisen, gar zu schätzeu. Aber gerade das jüdische Volk zeichnetesich andererseits durch seine Mäßigkeit aus; wird doch seine Mäßigkeit ähnlich etwa wie sein Familiensinn auch von christlichen Schriftstellern alseiue Art Nationaltugend der Juden gerühmt. Jedermann weiß, daß z. B. das Bier nicht nur schmackhaft, sondern wegen seines Extrakts (ganz abgesehen vom Alkohol) auch nahrhaft ist, daß es erfrischt, daß es erwärmt. Ja, der Alkohol ist ein vorzügliches Heizmaterial für den Körper fast sogut wie das Fett. Bei alten Leuten wirkt er auch anregend auf die Tätigkeit deS Herzens und des Magens und auch bei allerlei Krankheiten ist er kaum zu entbehren. Er ist also kein schlinimeres Gift als manchesandere Genußmittel. Aber alle Vorzüge haben auch eine Kehrseite, und eskommt immer wieder darauf hinaus, daß Maß gehalten wird. Denn sonst wandelt sich der Vorzug in einen Nachteil, in Schaden, in Verderben und- Fluch! Schon bei Krankheiten wird der Alkohol überschätzt, so daß man ihn unnötigerweise sogar Kindern verabreicht. Es ist auch falsch anzu. «ehmen, daß der Alkohol die Arbeit erleichtere, so daß es ratsam wäre^ bei geistiger wie körperlicher Arbeit von Zeit zu Zeit seine Arbeitsfähigkeit durch einen Schluck Alkohol zu heben. Der Irrtum liegt darin, daß der

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