Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1911
- Issue
- 16 (4.1911)
- Date
- 1911-04-01
- Page
- Seite 275 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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275 Ausführungen die positiven Aufgaben des gesetzestreuen Judentums zu zeichnen. In einen warmherzigen Appell an die Jugend klang ^die Rede aus: „Und so ist es auch heute", so schloß der Redner, „wieder die Jugend, an die wir uns wenden müssen, auf der unsere Zukunft beruht; möchte sie doch diese Ideen in sich aufnehmen und in diesem Sinne begeistert und begeisternd wirken, dann können wir hoffnungsvoll allen Stürmen Trotz bieten. Und es ist auch die Zeit des Höffens wieder gekommen! „Vom Eise befreit sind Strom und Bäche durch des Frühlings belebenden Blick. Im Tale grünet Hoffnungsglück." Und wie die sich neubelebende Erde, wie das saftige, frische Grün und die herrlichen Lieder der wiedergekehrten Sänger ein.freudiges Echo in der menschlichen Brust wecken und ihm zurufen, nicht zu verweifeln, sondern ruhig vorwärts zu schreiten, so erzählt uns ins nächster Zeit die heilige Schrift wieder von dem großen, großen Frühling — der einst unseren Vätern anbrach und besten Wiederkehr wir bald festlich begehen werden, und der die gleichen Gefühle auslöst. — Darum meine jugendlichen Freunde: Frisch auf! Entfalten Sie das Banner des echten alten Judentums, das keine Halbheiten kennt, das ganze Männer verlangt! > Wer Gesinnungstüchtigkeit mit Charakterstärke und Prinzipientreue in sich verbindet, wer in seinem Väterglauben ausharrt und ihn offen und frei bekennt, dem ist die Achtung seiner Mitwelt sicher, llud wenn auch räumlich getrennt, geistig stehen wir uns nahe; es einen uns gleiche Pflichten, ein gleiches Ziel schwebt uns vor, darum haltet aus; hallet aus im Kampf für unsere heiligen Güter, das tut uns not pmnjl pin p;n!" Ueber die Tätigkeit der „Freien Vereinigung" im abgelaufenen Jahre referierte Herr Jacob R o s e n h e i m aus Frankfurt a. M., dabei auch die allgemeinen Gesichtspunkte hervorhebend, die für die Arbeit der „Freien Vereinigung" maßgebend seien. Er sprach von den verschiedenen im Berichtsjahre gelösten politischen Aufgaben, dem Kampf um die Schechitoh in Sachsen, und der Tätigkeit für die religiösen Jntereffen der jüdischen Soldaten, den Bestrebungen zur Schaffung einer Zwangsorganisation für die jüdischen Gemeinden, und ging dann im fluchtigen Ueberblick auf die anderen vtelgestaltigen Arbeitsgebiete der „Freien Vereinigung" ein: die literarische Wirksamkeit durch den „Jüdischen Volksschriften Verlag", die segensreiche Hülfsarbeit der Unterstützungskommission für kleine Gemeinden, Lehrerstipendien,-.die Bemühungen zur Beschaffung brauchbarer Tefillin und Mefusoth, die Ausbildung tüchtiger Schochtim und endlich auf die G. L. in schöner Entwickelung befindliche Palästina-Arbeit. Während der Redner mit dem Hinweis schloß, daß alle Organisationsarbeit, aller innere Zusammenschluß, so unerläßlich er auch sei, doch feinen eigentlichen Wert erst in der Wiederbelebung des Thorastudiums in Deutschland finden könne, jenes Thora-Studiums, das allein in jenen schlimmeren politischen Zeitläufen, zur Zeit des Unterganges des jüdischen Staates und Tempelbaues das jüdische Volk lebendig erhalten habe, hob sich der Vorhang und es entrollte sich vor den Zuschauern in szenischer