Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1910
- Issue
- 12 (8.1910)
- Date
- 1910-08-01
- Page
- Seite 212 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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212 Geschäftsangelegenheiten die Pflichten der Nächstenliebe ihre Geltung verloren hätten. Nach Ansicht von Maimonides ist jedoch die Hörste Stufe der Mildtätigkeit, den Bruder durch Arbeit auf eine anständige Art selbständig zu erhalten. Es ist ein erfreuliches Zeichen der Gegenwart, daß die Notwendigkeit der Anleitung der Jugend zur Handarbeit in allen jüdischen Kreisen gebührende Würdigung und Anerkennung gefunden hat. Die Erkenntnis hat sich allgemein Bahn gebrochen, daß die sozialen Verhältnisse die Förderung des Handwerks gebieterisch verlangen, das Interesse für seine Verbreitung ist erwacht, und man ist bemüht, durch geeignete Mittel zum Ziele zu gelangen. Um diese Bestrebungen verwirklichen zu können, war es ein Bedürfnis, Anstalten zu schaffen, wo die Knaben ihre Ausbildung erlangen können. Dank dem jüdischen Wohltätigkeitssinn sind Stiftungen und Anstalten ins Leben gerufen worden, welche den Zöglingen Verpflegung Unterkunft und Ausbildung zum künftigen Berufe biete». Diese humanitären Schöpfungen sind in reger Entwicklung begriffen, ob sie jedoch allesamt sich der Pflicht bewußt sind, jüdische Handwerker heranzubilden, ob sie mit Energie und Umsicht darauf halten, daß die Lehrlinge gewissenhaft ihren Sabbath beobachten, daß sie diesen Tag nutzen zur Stärkung ihres jüdische» Bewußtseins, znm Lernen, wie Rabbi Jochanan, der Schnhmachermeister, Rabbi Jzchak, der Schmied, gelernt haben, — das wissen wir nicht. Möge jeder der ein warmes Herz für das Judentum und seine Bedürfnisse hat, durch tatkräftiges Eingreifen zur Hebung und Erhaltung solcher Institute und zu ihrer Reorganisation, wo cs not tut, möglichst beitragen. Kein einsichtiger Glaubensbruder, selbst der,welcher für seine Person nicht religiös lebt, wird sich der Forderung verschließen, daß diese jüdischen Handwerkervercine zu allererst die Pflicht haben, jüdische Handwerker heranzubilden — zur Ehre des alten, sinaitischen Judentums. Zeder treue Mitglied bedenke bei allen freudigen und ernsten Gelegenheiten des - Familienlebens die Uassen der Freien Vereinigung durch reichliche Spenden „ein Jeder nach der Gabe seiner Hand" I n h a C t: 1. Menachem Aw. — 2., Aus der Sitzung der Kommiffion für ländliche Wohlfahrtspflege. — 3. Zionslied. — 4. Die Pflanzenkost Von Dr. Ben Zion. — 5. Altjüdische Frömmigkeit. — 6. Die Verladung des Viehes zu den Montagsmärkten. — 7. DaS Handwerk im Judentum- Buchdruckrrei LoukS Golde, Frankfurt a. M.