Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1910
- Issue
- 12 (8.1910)
- Date
- 1910-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Organ der Tommission für Ländliche Wohlfahrtspflege der freien Vereinigung für die Interessen ' des orthodoxen Judentums. Frankfurt a. M., Aw 5670 August 1910. No. 12. up maV-J Wenclehern Aw. Der Monat Aw zerfällt in zwei Teile von ganz verschiedenem Gepräge, die auch schon durch die Bezeichnung von einander getrennt sind: nur den ersten Teil, bis zum Tage der Zerstörung Jerusalems, pflegt man, wenn man sich des jüdischen Datums bedient. Aw zu nennen, der zweite weist als „Menachem" auf den Charakter der Zeit, als einer Zeit des Trostes hin. Düstere Schatten lagern auf dem Beginn dieses Monats, alljährlich steigen da die Bilder der zerstörten Gottesstadt, des von den Flammen verzehrten Heiligtums vor unserer Seele auf. Aber dem Tage, der den Höhepunkt der religiösen und nationalen Trauer bildet, schließt sich unmittelbar die Zeit des Trostes an, ein Wahrzeichen des jüdischen Gottvertrauens, des jüdischen Optimismus, der sich durch keinen, noch so schweren Schlag irre machen läßt in seiner Hoffnung auf die Zukunft, in seiner Zuversicht auf die Erfüllung der prophetischen Verheißungen. In diese Trostzeit fällt der 15. Aw, der schon zur Zeit des Tempels besonders festlich begangen wurde. Die Mischna am Schluffe des Traktats Taanilh erzählt darüber: R- Simon den Gamliel sagte: „Es gab für Israel keine größeren Festtage, als den 15. Aw und den Versöhnungstag; an ihnen zogen die Töchter Israels in weißen Gewändern, die man, um die Armen nicht zu beschämen, sich allgemein gegenseitig geliehen hatte, hinaus in die Weinberge und führten dort Reigen auf." In der Gemara werden verschiedene Gründe angegeben, warum gerade dieser Tag neben dem Versöhnungslag eine solche AuSzeichnüng