Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1910
- Issue
- 9 (2.1910)
- Date
- 1910-02-01
- Page
- Seite 149 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/4903180-5965937-5965961--199-4903364- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Haifa 1× ep/1047930
- Safed 1× ep/1046078
OCR text
eben dargelegten Grundsätzen neu zu gestalten. Dazu mußte natürlich die ganze Schule von uns übernommen werden. Der Lehrplan umfaßt neben dem gründlichen jüdischen Unterricht — die Unterrichtssprache ist hebräisch — Rechnen, Arabisch, Weltgeschichte, palästinensische Landeskunde. Geographie Naturkunde. Die Schule ist in einem hübschen, lediglich den Schulzwecken dienenden und hygienisch zureichenden eigenen Gebäude untergebracht. Die an der Schule wirkenden einheimischen Lehrkräfte werden, soweit es nötig ist. in Abendkursen methodisch und didaktisch weitergebildet. Der zweite Ort, auf den sich unsere Tätigkeit bereits jetzt erstreckt istRischon-le-Zion,das von Pethach-Tikwa leicht zu erreichen ist und wo nach den gleichen Grundsätzen vorgegangen wird. Gleichzeitig haben wir begonnen, auch eine städtische Talmud- Thora, diejenige der aufblühenden nordpalästinensischen Hafenstadt Haifa, zu reorganisieren. Die baldige vollständige Übernahme dieser Schule, wo wir einstweilen arabischen Unterricht und sonstige Verbefferungen eingeführt haben, ist dringend notwendig, unh es muß zu diesem Zwecke ein weiterer tüchtiger deutscher Pädagoge nach Palästina entsandt werden. An Haifa soll sich, sobald die Mittel es gestatten, Rechoboth, Ekron und alsdann Jerusalem, Safed und Liberias schließen. d. Berufsbilbung. Dürfen wir auf diese Weise hoffen, in steter Fühlung mit den religiösen Vertrauenspersonen der palästinensischen Bevölkerung, allmählich dazu beitragen zu dürfen, daß die allgemeine Volksbildung auf eine die Ideale des überlieferten Judentums mit den Anforderungen der Zeit harmonisch einende Grundlage gestellt werde, so erwächst eine weitere Aufgabe aus der notwendigen Ausgestaltung der B e r u f s b i l d u n g. Bekanntlich werden in den Talmud-Thora - Schulen fremde Sprachen (Französisch, Englisch, Deutsch, Italienisch) nicht gelehrt, und die Gegnerschaft der führenden palästinensischen Rabbinen hat sich von jeher, insbesondere gegen diesen Unterricht in fremden Sprachen gerichtet, der ja zur Elementarbildung auch nicht gehört und der sehr leicht — weil alle diese Sprachen fast gleich wichtig sind — neben den hebräischen Disziplinen zur Ueberbürdung der Kinder führt. Andererseits ist jedoch für alle diejenigen Kinder, die K a u f l e u t e werden, oder in der stärker werdenden Fremdenindustrie ihr Brot verdienen wollen, die Kenntnis fremder Sprachen unbedingt notwendig. Es ist darum für die zu 13 oder 14 Jahren die Talmud-Thora Schule verlassenden Kinder die Einrichtung von Unterrichtskursen für Berufsbildung (Sprachen, kaufm Fächer) beabsichtigt, die von den maßgebende» Seiten gebilligt sind und darum voraussichtlich sehr stark besucht werden dürften.