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Jüdischer Volksbote · 1909-12-01 · 8 (12.1909) · p. Seite 142

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Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1909
Issue
8 (12.1909)
Date
1909-12-01
Page
Seite 142 (sequence 18)
Language
German
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— 142 Die reinste, heiligste Freude durchdrang das ärmliche Gemach — die Freude der Eltern über die Rettung der Tochter. Riwke schärfte ihren Kleinen ein, von jetzt an, dem Nachtgebete noch hinzuzufügen: lieber Gott, laß auch Herrn Calmann gut schlafen. * * * Moses Callmann befand sich in seiner Wohnung, einem Stübchen des vierten Stockes im Vordergebäude desselben Hauses, wo Abraham Pollack wohnten Er hatte soeben den Ofen mit Steinkohlen gefüllt und blickte gedankenvoll in die Glut. Gar mächtig wirkende Gedanken mußten, ihn beschäftigen, denn er vergaß seine Öllampe anzuzünden und ließ das Bündel Kleidungsstücke, die er zum Ausbeffern mit nach Hause gebracht hatte, ungeöffnet auf dem Tische liegen. Endlich verließ er seinen Stand vor dem Ofen, seufzte tief auf und durchmaß in mächtigen Schritten das Zimmer. Wenn ich es nur möglich machen könnte, sagte er zu sich selber, aber wo nichts ist, da kann nichts werden. Ein Schneidergeselle ist aber noch nie Meister geworden ohne eine Handvoll Louisdor. Sie hat auch Nichts. Bei dieser Betrachtung blieb er stehen und so oft er auch während seiner ' langen Promenade durch das Zimmer denselben Gedankengang wiederholte, zu einem anderen Resultate konnte er nicht gelangen. Wenn ich nur fünfhundert Thaler hätte, sagte er — aber aus Nichts, wird nicht mehr als Nichts, das war wieder die fatale Schlußfolgerung, die sich mit grausamer, unerbittlicher Konsequenz aus allen seinen Betrachtungen ergab. Der liebe Gott wird schon helfen, er verläßt keine fromme Judenseele, damit tröstete er sich endlich und beschloß seine Wanderung durch die Stube. Er zündete sich seine Lampe an, setzte sich an den Tisch und begann eifrig an den Kleidungsstücken zu flicken. Der Gedanke an Sarchen wollte ihn nicht verlaffen, von Zeit zu Zeit mußte er inne halten, um einen tief von Herzen kommenden Seufzer passiren zu laffen. Endlich hatte er seine Arbeit beendigt. Er stand auf, sagte Nachtleinen, löschte die Lampe aus und mit dem Gedanken an Sarchen. begab er sich aus sein Lager. (Schluß folgt.)

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