Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1909
- Issue
- 8 (12.1909)
- Date
- 1909-12-01
- Page
- Seite 129 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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129 Und er antwortet den Fragestellern, indem er ihnen die Ursachen vor Augen führt, die den Fall des ersten Tempels verschuldet hatten und fügt dann hinzu: „So spricht der Herr Zebaoth: der Fasttag des 4. und der Fasttag des 5. und der Fasttag des 7. und der Fasttag des 10. Monats, sie sollen dem Hause Judas zur Wonne und zur Freude und zu Festtagen werden, liebet nur die Wahrheit und den Frieden I" „Liebet nur die Wahrheit und den Frieden l" Das ist die Mahnung, welche die Festtage uns entgegenrufen. Der erste Tempel ging nach den Worten unserer Weisen unter, weil man die wichtigsten Gebote verletzte, weil tb»i ry, Götzendienst, Unsittlichkeit und Mord überhand genommen hatten, weil man die Wahrheit des Gotteswortes mit Füßen trat. Der zweite Tempel sank in Trümmer, weil orn nwtr, Haß und Zwietracht in Israel herrschte, weil man vom Frieden nichts wissen wollte. Wenn wir die Ursachen des Exils beseitigen, wenn wir die Erlösung Israels fördern wollen, dann müssen wir die Wahrheit der Thora Hochhalten, müssen wir den Frieden in Israel, den Frieden, der auf der Grundlage dieses Gotteswortes ruht, zu festigen suchen. Dann werden sich uns die Trauer- und Fasttage um Zion in Festtage verwandeln. Die JJiidiscfte Uolksbücberei. Wir leben nicht nur im Zeichen der Elektrizität und der Luftschiffahrt, nicht nur der Technik und der Erfindungen sondern ebenso sehr im Zeichen des Buches. Die schriftstellerischen Erzeugnisse der Gegenwart haben eine beinahe unheimliche Ausdehnung angenommen; Zeitungen und Broschüren wachsen gleichsam aus dem Boden, und der Büchermarkt bringt täglich Hunderte neuer Erscheinungen. Und was das seltsamste bei dieser Ueberfülle literarischer Schöpfungen ist — sie werden alle gelesen. Eine jede Zeit modelt ihre Menschen nach ihren Wünschen, und es deucht uns, daß gerade die Anhäufung des Materials des zum Lesen Geschaffenen auch die physische Möglichkeit des Gelesen-Werdens mitbringe. Allüberall wird geschrieben; jede Kunst und jede Industrie, jeder Stand und jeder' Beruf schafft seine eigene Literatur, ein Licht entzündet sich an anderen, und was im Leben vielgestaltig wirkt — auf Folio- und Quartseiten, in Blättern und Bogen, in Leinwand und Leder bleibt es der Zukunft aufbewahrt. Da darf auch „das Volk des Buches" nimmermehr zur Seite stehen. Seit Jahr und Tag ertönt in jüdischen Kreisen der Ruf nach deutschen