Mannheim
Compact Memory

Jüdischer Volksbote · 1909-10-01 · 7 (10.1909) · p. Seite 124

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1909
Issue
7 (10.1909)
Date
1909-10-01
Page
Seite 124 (sequence 22)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/4903180-5965935-5965957--165-4903333
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

sehen die Mutter, nach altfrommer Lrt das Häubchen auf dem Kopfe zur Haarverhüllung, mit ausgebreiteten Händen spendet sie dort an der Meffinglampe dem Sabbat den Lichtgruß; alles ist wohlgeordnet in der Stube, neben den Doppelbroten ruht der Wein und der Kidduschbecher, eine behagliche Wärme durchzieht das Wohnzimmer. Wir hören schon im Geiste, wie der Hausherr nach beendigtem Gottesdienste hier die Sabbatengel begrüßt, wie das Mahl gewürzt wird, durch fromme Betrachtungen über den Wochenabschnitt, wie als Tafellieder die altjüdische niTOT ertönen: .17 DV ■Ol nron rms unr'S. „Dieser Tag ist für Israel Licht und Freude, dieser Sabbat Ruhetag!“ Ja, er ist Licht und Freude für uns, dieser Tag, unübertroffen von allen sonstigen Gedenkzeiten 1122 ll^lp- ,1'APV 127 017 .Tope ,lSnr, „die sich an ihn ergötzen, werden stets Ehre erben, die ihn genießen, znm langen Leben sind sie würdig/' Licht und Freude ist der Sabbat uns auch in de» rauhen, düsteren Wintertagen. Wenn draußen Stiirnie toben und Schneegestöber herrscht, drinneu ist Lebensglück und Lebensheiterkeit; seine beglückende Harmonie gießt der Sabbat in die Seelen der strenggläubigen Juden, häuft ein Kapital an, von dem Herz und Gemüth während der ganzen Woche zehren. O, warüm wirft die unbesonnene Gegenwart die himmlische Perle so weit von sich! Soll man nur im Bilde noch die echte, rechte Sabbathfeier kennen lernen? Gerade zur Winterszeit tritt die häusliche Feier des rotf in ihrer vollen Schöne in Erscheinung, bietet einen wohltuenden Gegensatz zu den erstorbenen Kräften der Natur rings um uns, an der wir uns nicht erfteuen können. Umso anheimelnder das jüdische Hans zur Sabbatzeit. Kein Religionsunterricht kann so nachhaltig und »nmiitelbar auf des Kindes Gemüt wirken als der Sabbat im elterlichen Hanse. Exempla trainint, das lebendige Beispiel ist von hohem Einfluß, ist e ne Macht. Nicht nur für die Familie, auch für das Gemeindelebcn wirkt der häusliche Sabbat scgensvoll. Es wurde schon öfters in den jüd. Blättern darauf hingewiesen, daß Prinzipäle die y"i rot? strenge ihr Geschäft schließen, in der Auswahl ihres Personals nicht dem entsprechend handeln. Strengfrommen wird oft durch Andersgesinnte der Platz versperrt, ums sich vielfach in leichtfertiger Entweihung des rot? seitens der bei Orthodoxen Angestellten bekundet. Es muß aber auch zugegeben werde», daß den jungen Leuten nicht selten jeder familiäre Anschluß fehlt. Die Winlerkälte treibt sie in die Cassis und damit in bedenkliche Gesellschaften und Gelegenheiten. Wie heilsam, wie segensreich erweist sich da die fromme Familie, in der junge Leute zwanglos verkehren können. Wenn ihnen da die Gastfreundschaft das Elternhaus zu ersetzen sucht, wenn man besonders für die schönen Sabbate des Winters sie willkommen heißt, könnte hierdurch nicht so mancher Fehler jugendlicher Unüberlegtheit vermieden werden? Im jüdischen Erziehungswesen spielt ja das „2ijrv-sein", die persönliche Annäherung eine große Rolle. Für die Winterzeit und im beregtem Falle bedarf die Berechtigung dieser Forderung keines Kommentars. Wohl wäre »och manches Andere für das Wintersemester, welches nun begonnen, in's Auge z» soffen, wie beispielsweise die N21ZN- und B11C»

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.