Jüdische Monatshefte
- Journal
- Jüdische Monatshefte
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- 7/8 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/4900572-5964867-5964977--2474-4902973- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
es nur einen Gott giebt, (o Riebt es auch nur ein judentum. Nur polytheiftifche Verirrung konnte den Wahn von der Gleichberechtigung aller Richtungen im judentum, alfo auch des Abfalls vom judentum, erzeugen. Die beharrliche Ablehnung der Idee einer Gefamtorganifation der deutlichen juden durch die Orthodoxie hat auch bisher das Zuftandekommen einer folchen Organifation verhindert. Schon der Hinweis auf die Länder, die im vorigen Jahrhundert mit einer folchen Organifation beglückt wurden und in welchen die Orthodoxie auf das Gnadenbrot der liberalen Machthaber angewiefen ift, genügte, um auf alle diejenigen, die überhaupt noch ein orthodoxes Bewubtfein haben, eine abschreckende Wirkung auszuüben. So konnte man (ich der Hoffnung hingeben, dab es auch in Zukunft nicht allzu Schwierig fein werde, in orthodoxen Gemütern den traditionellen horror vor der Gefamtorganifation ftets lebendig zu erhalten. Leider hat jetzt diele Hoffnung durch den Verband der ifraelitifchen Kultusgemeinden in Bayern, zu deffen Gründung die gefamte Orthodoxie Bayerns ihre Zuftimmung erteilte, einen empfindlichen Stob erlitten. In Zukunft wird es nicht mehr fo leicht fein, die Idee einer Gefamtorganifation der deutfchen Juden als eine für die Orthodoxie undiskutable hinzuftellen. Der Hinweis auf Bayern wird genügen, um (liefe Idee auch für die Orthodoxie diskuffionsreif zu machen. Diefer Partikularismus der bayerifchen Orthodoxie wird, fürchten wir, der Gefamtorthodoxie Deutschlands noch viel zu fchaffen machen. Wie ift diefes Scheinbar disciplinwidrige Verhalten unferer Gefinnungsgenoffen in Bayern zu verftehen!י Eine Erklärung diefes Verhaltens ift nur möglich, wenn uns ein offenes Wort über die orthodoxe Politik der letzten jahrzehnte geftattet wird. Wer bei den verfchiedenen Verfammlungen in Nürnberg zugegen war, der ilt mit der Erkenntnis nach Haufe gefahren, dab in Bayern alle Vorausfetzungen zur Schaffung einer Gefamtorganifation vorhanden (ind. Die Idee der Gefamtorganifation läbt fich nur vom• Standpunkte der Gemeindeorfhodoxie rechtfertigen. Wer die Gleichberechtigung aller Richtungen im ludentum im Rahmen der einzelnen Gemeinden zugiebt und dos tut die Gemeinde-