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Jüdische Monatshefte · 1920-01-01 · 5/6 (1920) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Monatshefte
Volume
7 (1920)
Issue
5/6 (1920)
Date
1920-01-01
Page
[Seite] (sequence 36)
Language
German
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13צ Materialismus und Mtw.inismns ״!י וחוו■ W>ndr drs tu. Jahrhunderts. fich begreift eis erbärmlich tierifche Exiftenz, dasfelbe Wefen ift. in dem fonnenhoft das Gefühl der eignen inneren Unendlichkeit Schlummert, vor deffen geringfter Gedankenregung alle Groben der Natur im Staub fich wälzen! D a s ift der ungeheure Widerfpruch, der die menfchliche Kulturgefchichte beherrfcht, der ganze Zeitalter verfinken und neu erftehen fah, der das griechifche Ideal Schöner Sinnlichkeit, maßvoller edler Tierheit gebar, und den das Chriftentum nicht gelöft, fondern erft recht betont hat, als es feiner jenfeitigen Gottheit den von ihr verworfenen Menfchen gegenüberftellte, der vor feiner Tierheit als Eremit in die Wüfte fliehen oder in der Einfamkeit des Klofters fich vergraben mub. Vergebens ift ihm die Tafel der Natur gedeckt, umfonft fpendet ihm das All feine Früchte. Der Fluch der chriftlichen Erbfünde hält das Göttliehe in fernen Himmeln verborgen und verwandelt die fchöne Erde in ein jammertal. Von diefem Fluch fich zu erlöfen, ift der Jugendtraum Nietzfches. In der .Geburt der Tragödie' fchwebt ihm noch als das Ideal die Zeit naiven Geniebens und dionyfifcher Einheit mit dem All vor. Aber fpäter fühlt er, dab von jener inftinktiv fchönen Sinnlichkeit, die dem Griechen zugleich Sittlichkeit ift, (ich das Zeitalter in taufendjähriger Entwicklung zu w’eit entfernt hat. Es gibt kein Zurück! fagt darum auch NietzSche, aber es gibt ein Voran! Es gibt ein Überwinden der Endlichkeit nicht durch deren Verneinung und Abtötung, auch nicht durch deren einfeitige Betonung, fondern durch die Verfchmelzung derfelben mit der Unendlichkeit - die Verklärung des Sinnlich- Individuellen zu eigenfter Allheit und Göttlichkeit! Das Leben des Ichs füll zum Leben des Alls werden, das fich in der Göttlichkeit des Icherkennens reflectiert: .dies heibt mir Erkenntnis: alles Tiefe foll hinauf zu meiner Höhe!" So wie Sokrates der grobe Frager und Zweifler war angefichts der Weltanfchauung der naiven Sinnlichkeit, fo ift Nietzfche der grobe Frager und Zweifler angefichts der chriftlichen Weltanfchauung. Er will eine grobe Synthefe beider, des Hellenismus und des Chriftentums. Er will ein grobes Erwachen des Pan, der das Licht des Olympos in fich aufgefogen und mit fich vermählt hat - «Gott ift tot!' jubelt Nietzfche, der Menfch felbfl mub zum Gotte fich emporentwickeln! So begreift fich Zarathuftra als ein Werdender, eine Brücke zum Übermenschen hin, *er ift der .Gottlofe", der untergehen mub, weil er feine eigne Gottheit noch nicht gefunden hat .Greift nach

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