Mannheim
Compact Memory

Jüdische Monatshefte · 1920-01-01 · 5/6 (1920) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Monatshefte
Volume
7 (1920)
Issue
5/6 (1920)
Date
1920-01-01
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/4900572-5964867-5964976--2434-4902934
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Möglichkeiten. 107 von denen anerkannt, die Geh im freien Entfchluh zu ihr bekennen, so mühte man das אל גדב־־ zur Tat werden lassen. Doch wir haben zu weit ausgeholt und geträumt, als hätte Geh die Idee fchon verwirklicht. Wie man Geh diese Verwirklichung in anderen Kreisen denkt, dafür möge ein Citat zeugen, das wir einer Schrift des Diplomaten Gerhard von Mutius (Der Schwerpunkt der Kultur) entnehmen, wobei wir vorausfchicken, dah der Verfasser das Wort .Kirche“ im allgemeinften Sinne aufgefaht wissen will. .Dann aber könnte die Kirche, der geometrifche Ort für die grundlegende an der modernenen Kultur zu vollziehenden Korrektur, im Sinne der Verinnerlichung des Erlebens werden. Die Kirche mühte vor allem suchen, die Tat, die Arbeit w ieder religiös zu erfassen und zu durchdringen. Das Handeln, als vernünftiger Gottesdienst aufgefaht, bedeutet die Verwandlung der Zwecke in Werte. Jeder erzielte Erfolg, auch der materielle, würde damit zur Annäherung an den Wert, zur Abfchlagszahlung auf den absoluten Wert. Der Götze des Erfolges und sein Dienst wäre damit verbannt. Die Freude am Handeln, als ein wesentliches Ziel aller Arbeitsmethode und Arbeitseinteilung wäre gerude unter religiösem GeGchtspunkt zu pflegen. Die religiöse Gemeinde mühte eine Brüderfchaft der freudigen Arbeit werden. Das Recht und die Pflicht zur Freude wäre als der Mutterboden aller fruchtbaren Taten zu erkennen. - Das Individuum muh seine Heimat in der Kirche finden. Für jede Not des Individuums muh dort Hilfe sein. Wenn es der Kirche gelänge, den Individualismus des modernen Menfchen zu erfassen, so würde es ihr auch möglich sein, ein auf die Einheit des Wertbewuhtfeins gegründetes Gemeinfchaftsgefühl zu erzeugen. - Aber Soldaten braucht diese Idee, um den Widerstand der stumpfen Welt zu befiegen. Ohne eine grohe, vom Geift der Entfagung und Liebe getragenen Berufsorganisation, die felber das Glück des religiösen Bewuhtfeins den andern vorlebt, ift an die Erfüllung der kirchlichen Aufgaben nicht heranzutreten. Vielleicht brauchen wir neben der einen Geistlichkeit eine Fülle mehr oder weniger religiös gesummter Vereine bis zu ordensähnlichen Organisationen." Wir stellen diese Gedankenreihen hierdurch zur Diskussion, noch lieber zum geruhfamen Briefwechlel unter Verzicht auf allen Lärm der Öffentlichkeit. P. K.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.