Jüdische Monatshefte
- Journal
- Jüdische Monatshefte
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- 9/10 (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
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Lebensrrgeln lür den Hausgebrauch. 299 )»achähuliclieni Wortschwall einher, sondern beschränke *ich aufs notwendige. Denn wer viel Worte macht, gleitet ab zur Sünde, und nichts fand ich dem irdischen Gedeihen Förderlichere« als das Schweigen. Die von Jahr zu Jahr zunehmende Politisierung der Juden heit, das intensive Vereinsleben, Zionismus, Agudas Jissroel —: das alles hat in weiten jüdischen Kreisen ein Rcdebediirfni* geweckt, von dessen unglaublichem A 11*111:188 unsere schweigsamen Vorfahren keine blasse Ahnung hatten. Mehr als je wird auch in unseren Kreisen die Bedeutung und der Wert eines Mannes (und vielleicht bald auch einer Frau) nach der Fähigkeit des Redens beurteilt. Wer nicht imstande ist, in einer öffentlichen Versammlung in glatt fliessender Rede seine Meinung zu vertreten, ist nicht zuin ״Führer*‘ geboren, wird mitleidig ungeschaut und beiseite gestellt. Unterhaltsame Menschen, die in unversieglichem Redestrom immer was zu erzählen haben, aus der Zeitung, aus der chronique scandaleuse der Kehilla, den neuesten Witz, die neueste Verlobung, den neuesten Schlagantall, erregen Bewunderung, dagegen schweigsame Menschen, die sich vor הרע jtcS fürchten, zu dereu Lebensdcvisc auch das Wort ״Tod und Leben liegt aut der Zunge•* gehört, werden als Erzeuger gähnender Laugweile gemieden. Auch die Orthodoxie verteilt ihre Prämien nicht immer im Geiste des Schulchan Aruch. 6. Neid, Begierde und Ehrsucht sind die Tndleiigrüber der Menschheit. Du hast einen Freund, der mehr Geld verdient als du. Er ist daher in der Lage, io einer schöneren Wohuuug zu widmen als du, öfter und reichlicher zu tafeln als du, eineu besseren Platz in der Synagoge und im Theater zu halten als du, eine kostspieliger Sommerfrische aufzusuchen als du uud überliaupt ein schöneres, reizvolleres, amüsanteres Leben zu führen als du. Diese ungleiche Verteilung von Keichtum und Vcrguügeu erregt den Neid, die Begierde, die Ehrsucht in dir. Du gönnst dir keine treic Minute, du arbeitest von früh bis spät, atemlos lagst du hinter dem Glück her, solange die Bezwingung de•