Jüdische Monatshefte
- Journal
- Jüdische Monatshefte
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- 5/6 (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 47)
- Language
- German
- Belongs to
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f Über den Stand des religiösen Lebens in der Berliner jüd. Gemeinde. 143 eng ansehmiegt —, nein eine so intime Kenntnis des Synagogenwesens ist doch hei einer chrislliehen Künstlerin nicht ohne weiteres vorauszusetzen. Dieser Vorfall wächst aber über den Rahmen eines unerquicklichen Zufalles weit hinaus und gewinnt den Charakter geradezu eines bedeutungsvollen Symbols — durch die Haltung des anwesenden Rabbiners. Wäre dieser auch nur emigermaUen von irgend welchen jüdischen Impulsen beherrscht, er wäre im Augen■ blick aufgesprungen, hätte di•• Synagoge verlassen, die Gemeinde wäre ihm auf diesem Wege gefolgt und die verkrachte Situation wäre aufs schönste gerettet. So aber muUte der ruhig abwarten, um sich zunächst zu vergewissern, wie der anwesende Vorstelver über den Zwischenfall denkt und das war in diesem fatalen Augenblicke in Krmangelung einer Anlage für drahtlose Telegraphie nicht so einfach, während indessen die Schauspielerin in aller (iemütsruhe und nicht ohm־ Pathos ihren Text absolvierte. Ks geht doch nichts über eine gediegene Krziehung der Rabbiner, die ihnen von Seiten des Vorstandes widerführt! Darin hat er unbestritten die .Meisterschaft erlangt. Der Rabbiner protestierte zwar hinterher, aber erst dann, nachdem der Herr Vorsteher mit gutem Beispiele auf diesem Wege ihm vorangegangen war und ihm solcher Art die l’nbedenklichkeit dieses Weges vorgezeichnet hatte. Dem Vorstand»‘ aber wurde aus diesem Anlasse das Vertrauen in öffentlicher Repräsentanlensit/.ung votiert. Auch wir schließen uns diesen Wrtraucnskundgebungen wenn auch aus gar)? entgegengesetzten (!»•fühlen heraus an. Denn nun wissen wir ganz genau, wohin »he Kalut g»־hl. »li»• dieser Vorstand steuert.