Jüdische Monatshefte
- Journal
- Jüdische Monatshefte
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- 10/11 (1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 44)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/4900572-5964862-5964957--1967-4902480- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
:120 Zwei Leuchten in Israel. Rücksichtslosigkeit an der Stirn trug. Nur selten stieg er zur Öffentlichkeit herab, (»üdemann. der Aristokrat, der Ästhet, der Kpikurüer war kein Freund des Volkes.. , Und noch einmal machte der Wiener Oberrabbiner in einer |)emliehen Weise von sich reden. Das war, als er gegen die jüdischen Vorname!; auftrat und die Zulegung deutscher Namen forderte. Auch damals ging er rrtjt vornehmer («este über den Sturm im jüdischen Blätterwald!* hinweg, um sich nicht mit kleinlicher Polemik seine wohlgepllegten Finger zu beschmutzen... l'nd dennoch: Zwei Leuchten in Israel-׳ Das verstehe, wer kann! l'nd doch, wir verstehen. Wir verstehen es, wie es Jeder verstehen wird, der die Anschauungen und Stimmungen in orthodoxen, konservativen und ״gematligt kunservativen" Kreisen kennt. I)ie Briskcr Orthodoxie bereitet uns ein romantisches Vergnügen, wir sind aber deshalb doch zweiseitig genug, um auch dem ,.gemüüigten" Konservativismus des Wiener Judentums eine Israel erhellende und erwärmende Leuchtkraft zuzusprechen. Und so wird neben R. Chaim Soloweiczik auch Dr• Moritz (iüdemann zu einer Leuchte in Israel! Wir fassen die abgrundtiefen Gegensätze zwischen Orthodoxie und Nichtorthodoxie als harmlose!,arteischaltierungen auf. bei denen noch lange nicht ausgemacht ist, welcher von ihnen die Zukunft gehört. Wir linden uns mit den Resultaten der jüdischen Abfallsbewegung als unabän-!!erlichen Tatsachen ab und reihen sie als ein naturnotwendiges und gleichberechtigtes (ilied in die Kette der jüdischen (Jeschichte ein und umgehen sie solchcrmaüen mit einer historischen Weihe, wie sie doch eigentlich nur den legitimen Kindern unseres alten, göttlichen Thorajudentums gebührt. Uns will es nicht in den Kopf, dali der ״gemüLligte“ Kunservativismus der Orthodoxie mehr geschadet hat und schadet, als der ungemalfigte Liberalismus Wir linden es selbslverstündlich, dal! jeder Seelsorger über das Matt der Strenge und Laxheit seine-, seelsorgeri-chen Verhaltens je nach Laune