Jüdische Monatshefte
- Journal
- Jüdische Monatshefte
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- 3/4 (1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 49)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/4900572-5964862-5964952--1748-4902265- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
105 Lehrsätze für Trauernde. Trauerzeremoniell beweist, das neben anderen (•ründcti aurli aus jener Rücksicht sielt erklärt, Fuisoweniger diirteu wir diese Kiiek• sieht dort walten lassen. wo sie nielit im Ueligionsgesetz, sondern blos in religiöser Schwäche und Feigheit, in einem Mangel an religiösem Bekennermut begründet ist. Fs bedarf keines gewaltsamen Kingriffs in den religiösen Organismus, um ihn atteh in einem ungesunden Klima gesund und lebensfähig 7.11 erhalten. Dort wo eine Keforni wirklich geboten und gestattet ist, braucht das Judentum nicht erst von ausseu her reformiert zu werden, dort refor• miert es sich, von innen heraus, schon von seihst. 41. Am ersten Trauertage ist es dem Trauernden verboten Thetilliu zu legen. (Nur dann, wenn der Begrähnistag nicht mit dem Todestag zusammenfällt. soll man Thetillin ohne Berachah legen.) Diese Vorschrift geht aut Kzecli. 24. 17 zurück: ״,Sy שארך זזב״ש. in welchem Satze die Thetillin als ein Schmuck, als eine Ziede hezeichnet werden und daher im allgemeinen — bei Jecheskel war die Krlauhnis eine Ausnahme — am Tage, wo das Schmerzgefühl des Trauernden am bittersten ist, Thetillin als unvereinbar mit der aus solchem Oefülil hcrvorgchendcn Stimmung zu erachten sind. In dieser Bezeichnung der Thetillin als שא־ liegt ein gutes Stück jüdischer Kigcnart Schmuck und Zierde ist sonst immer etwas Spielerisches, eine anmutige Zugabe, eine Verschönerung des Krnstes, eine Sänftigung des Herben, eine liebliche («esptclin, die sich der Langeweile als Freundin anbietet, eine traute Oefährtin deiner Mussestundeu. Der Trieb des Schmückens ist auch dem primitiven Menschen angeboren, er äussert sich naiv bei wilden, entartet zu üherschänmender Pracht bei kultivierten Menschen, Diesen Trieb greift die Bibel aut, um sein spielerisches Wesen zu adeln, indem sie mit ihm eines ihrer täglichen Symbole verknüpft. Sie nennt die Thetillin שאר und erwartet von uns. dass wir sie nicht Idos •n nennen, sondern als Schmuck und Zierde auch empfinden. Wer freilich Thetillin mit .(tebetriemen״ übersetzt, wird nicht verstehen, mit welchem Beeilte der Begriff des Schmuckes und der Zierde, der sonst nur aut Brillanten 11 dgl. angewendet wird, auf die