Jüdische Monatshefte
- Journal
- Jüdische Monatshefte
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 10 (1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Der •chüne Arthur. •m Für die ,Talmudjuden“ der Gemeinde hatte er nur überlegenen Spott. In gewissem Sinn betrachtete er sie als llalbjuden. Dass sie geistig minderwertig waren, ging ja schon aus dem Um- Stande hervor, dass sie niemals bei seinen Referaten anwesend waren. Dafür rächte er sich, iudcm er bei sämtlichen ״Schiurim‘ der ,Schass Chewra“ durch hartnäckige Abwesenheit glänzte. Ueberhaupt der Talmud! Der schöne Arthur hatte seine besonderen Ansicht über den Talmud. Man kann nicht gerade sagen, dass er ein grosser Talmudkcnner war. Das sagte, obwohl er sonst recht eingebildet war, nicht einmal er Der Mangel an talinudischem Wissen hinderte ihn nicht, dem Talmud bei der Megriindnng einer jüdischen Welt- und Lebensanschauung, auf die er (nicht der Talmud, sondern Arthur) einen grossen Wert legte, eine ziemlich untergeordnete Rolle zuzuweisen. Der Talmud aei eben nur Gesetzbuch, enthalte aber nur so nebenbei die Klemente, aus welchen sich die besondere Art des jüdischen Denkens und Fuhlens erbaue. Man brauche ja nur auf die osteuropäischen Juden hinzuwoiseu, die wohl im Talmud sehr versiert seien, jedoch einer tieferen Hinsicht in das Wesen des Judentums entbehrten Demnach betrachtete sich der schöne Arthur als ein auscrlescnes Kxemplarvon einem Juden. Niemals kan! ihm der Ge danke, wie doch der Geist einer ganz haarsträubenden Inkonsequcnz übers einem Gehahren schwebte. Kr hatte keine Ahuung, wie lächerlich er oft war. Zum llcispiel, wenn Fastnacht kam. Kinc überzeugte Anteilnahme am Karneval betrachtete Arthur als die Pflicht jedes jungen Menschen von schäumender Lebenslust; und da er ein Jüngling war, der auch nicht im entferntesten daran dachte, klöstcr liehen Verzicht aut die Freuden dieser Welt zu üben, vielmehr schon als Schuljunge damit begonnen hatte, zum flotten Täuzer sich auszubilden, war es für ihn so gut wie selbstverständlich, bei allen Maskenbällen der besseren und zuweilen auch der minder guten Gesellschaft mit Verve seinen Mann zu stellen. Kr tanzte bis tief in die Nacht hinein, und einmal war cs ihm sogar passiert, nach Tagesanbruch erst das Ralllokal verlassen zu haben und dabei einem ironisch lächelnden Vereinsgenossen begegnet zu