Mannheim
Compact Memory

Jüdische Monatshefte · 1917-01-01 · 10 (1917) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Monatshefte
Volume
4 (1917)
Issue
10 (1917)
Date
1917-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/4900572-5964860-5964945--1575-4902096
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Eine Tnuiuaftrede. 991 hiitte Niemand gewusst, wie reich sie waren Sie genossen ihr Leben auf eigene Art und verstanden es, glücklich zu sein in jener stillen, anspruchslosen Weise, die heute das Lächeln des BesserwissencH»n erregt. Euch hat das Leben in ein prunkhafteres Milieu versetzt. Ihr stellt andere An* spräche an’s Leben, als eure Grosseltern gestellt haben. Nun wohl, das wäre noch nicht schlimm. Auch der Luxus hat seine Mission auf Erden; und ihr seid die Pioniere, die ihm die Erfüllung seiner Mission erleichtern. Man ist aber noch sehr wenig von einem guten Menschen, wenn man nichts anderes kann und will, als dem Leben seine offenen und versteckten Reize abzulauschen. Müget ihr euch das euer ganzes Leben vor Augen halten. Der Genuss allein garantirt dem Glück nicht seine Dauer. Und noch eines, geehrtes Brautpaar I Ihr braucht die Augen nicht vor Scham zu schliessen, wenn ich offen mit euch rede. Prüderie ist die widerlichste Heuchelei, weil sie die Verlogenheit gerade dort zu etablieren sucht, wo nur das aufrichtige, reine Empfinden den Menschen vom Tiere scheidet. Hört darum nur kUhl und ruhig an, was ich euch 4sagen werde. Ihr wollet doch beide ein jüdisches Ehepaar sein. Man ist es aber noch nicht, wenn das jüdische Leben eines Ehepaars im Synagogenbesuch u. dgl. sich erschöpft. Es ist gewiss recht schön, wenn Mann und Frau Arm in Arm zum Gotteshause wandeln; wenn sie sich, umgeben von einer blühenden Kinderschaar, an den gemütlichen Freilag Abend- Tisch setzen oder leuchtenden Auges den sabbathlicheo Schalet tilgen und am Pessach ihre Mazzos knuspern. Dazu gehört aber doch noch etwas ungemein wichtiges: die Heiligung des Ehelebens selbst. Was nützt der Freitag Abend was nützen die Mazzos u. dgl., wenn das eheliche Leben in den Formen animalischer Roheit sich bewegt und das göttliche Gesetz gerade dort missachtet wu־df־wo~lfim die Entstehung der künftigen Generation vor Augen schwebt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.