Jüdische Monatshefte
- Journal
- Jüdische Monatshefte
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- 7 (1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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214 l)i•■ Wurtrl de» Krittrer Die Wurzel des Krieges. Von Dr. inr. Isaae Itrcuer. Fawl zwei Jahn׳ ist cs mm her. •lass <icr furchtbarste aller Kriege die Völker Kumpas zertleisclit und Kuropas Krde mit endlosen Strömen edelsten Hintes hedeekt. Vieles istin dieser Zeit über die 1'rauchen und Veranlassungen der entsetzlichen Katastrophe geschrieben worden. Aber meines Kruchten* ist die ötl'eritliehe Aulmerksamkeit viel zu wenig auf ein dem modernen Staat anhaftendos Begrilfsmerkmal gelenkt worden, das als die juristische Wurzel des Krieges überhaupt, als petährlichstes Hindernis für die allmähliche Verwirbln Innig des Kriedensideals anzusehen ist: auf das Beprifl'smerkmal der Su\eränität. Unter Suveränitiit des Staates versteht mau die pünzliclie rnabbiinpipkeit des Staatswillens von irpeml welchen Faktoren, die nicht verfassUnpsmiissip zur Bildung des Staatswillens berufen sind. Der Staatswille soll sehlechterdjngs der höchste sein; in ihm soll die Allmacht des Staates ihren reinsten Ausdruck linden. Ks picht daher kein Merkmal, ülier dessen Intcpritüt der moderne Siaat mit solcher Kitersucht wacht, wie perade das Merkmal der Suveränität: sic stellt peradezu das Wesen des modernen (irossstaates dar Historisch ist ־ der Begriff der Suveränitiit ein!,rötest pepen den mittelalterlichen Staat. Der mittelalterliche Staat war nicht suveriin. denn die l'uahhiinpipkeit des .Staatswillens war sowohl von inneren wie von äusseren Faktoren bedroht oder peradezu eingeschränkt. Was die innerstaatliche I •rganisatioii betrifft. so kennt der snvoräne Staat keinen grösseren Gegensatz. als den mittelalterlichen Feudalstaat. Das Wesen des Feudulstaat* hesteht perade in einer lörmlieh privatrechtliehen Belastung und dadurch verursachten Kiiisehrankung des Staatswillens repelmässip zu Gunsten von Staatsuntertaucn, die solehermasscn als gleichberechtigte Hechtssubjekte dem Träger des Staatswillens ge peniibertraten und seine Suveräniiät aulbobeu. Andrerseits bedroht•׳ die das ganze Mittelalter beherrschende spekulative Idee des römisch deutschen Kaisertums und des römischen W'eltpapstums \on aussen her die Suveräniiät >lcs mittelalterlichen Staates, da Kaiser sowohl wie l’apst den Anspruch erhöhen, höchste!lichter der Christenheit zu sein, denen sich alle Staaten zu fügen hälfen. Als der Franzose Jean Bodin den Begriff des Staates einer neuen, grundlegenden t ntersuchung imtcr/.ng und für ihn zum ersten Male bewusst und klar die Suveränitiit \ indizierte, wollte er dadurch sowohl die internationalen Ansprüche von Kaiser und l'apst. wie auch die innerpolifisolieii Kech'e der Feudalherren zu Gunsten de״