Jüdische Monatshefte
- Journal
- Jüdische Monatshefte
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- 3 (1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 52)
- Language
- German
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116 jahung de« Weltprozcsses und zur Krgebuug in das eigene SchickshI durchringen. Was er tief und ganz. empfindet, weil am eigenen Leihe erfahren hat, ist die Vergeblichkeit und Lächerlichkeit der Empörung der kurzlebigen und ohnmächtigen Kreatur gegen die unendliche Kraft, die sie geschaffen. 1 >i»• Kitelkeit alles Atlieismus, aller >el11stvergotterung des Mensclien hat er klar rrkumii. und giebt es ohne reherschwang und ohne Inischweife zu AI er er findet weder Trost noch Erleichterung in seinem Bekenntnis. Notgedrungen muss er's zugehen und furchtbar in seiner (irossartigkeit, niederschmetternd in seiner Brausaiukeit und schrceklieh in seinem Zorn bleibt ihm dieses göttliche Wesen, dessen Dasein er nicht mehr leugnen, nicht einmal mehr bezweifeln kann — Die Wirklichkeit schreibt die gewaltigsten Theodiceen Wir aber, wir haben weder l’rsaehe, aut Heine, den .luden, stolz zu sein, noch ihn zu schmähen. Fiir tausendfaches Kehlen ward er tausendfach gezeichnet, l'nd seine Sünde wider sein Judentum war nicht,"־wte~ef selbst wähnte 1uT«l TuTTel^tieFfTit hat. der Taufakt, den er über sieh ergehen liess, sondern die vorher schon und auch weiterhin empfundene Bleichgültigkeit gegen des Judentums Wesen und Inhalt. Form und Kern, Lehre und Symbol: gegen den ganzen Komplex der Besetze und Bestimmungen, deren Uehertragung in lebendige Tat und an ihnen sich orientierende Besinnung einzig und allein den Juden ausmacht. Daran ging Heine achtlos vorbei, obwohl er selbst das Befühl hat. dass hier das Herz des Judentums schlägt, das mau nicht he-chiidigen kann, ohne den Bestand des (Janzen in Befahr zu setzen und gewiss nicht zum Besten einiger .,vagen kosmopolitischen Ideen■־ zu Tode verwunden sollte. (' 11 s wundert es nicht, dass ihm die aufrichtigste nationale Begisterung. so wenig wie das wärmste Xnchemptinden des grossen Judenschmerzes nicht Halt und Kückenstürke genug hot, um auf jede Aussicht nul Barriere zu verzichten. Wohl waren diese Surrogate damals noch nicht mit den tönenden Ansprüchen auf selbständiges Kigemlasein und als organisierte Sonderheiles• hotschaft aufgetreten wie heute. Vielleicht hätte sich Heine in unseren Tagen, die den Bedürfnissen der ״Verlorenen Söhne' ratlinierter entgegenkommt und sie nicht mehr so einsam zwischen Himmel und Knie schweben und zwischen Leben und Tod wählen