Jüdische Monatshefte
- Journal
- Jüdische Monatshefte
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- 12 (1915)
- Date
- 1915-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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406 auch sagen können: er wird zum Symbol der Zeitung Der Zeit• . ung, wie e r sie auflässt. wie—e r wie leitet und ihre Aulgabe 1׳r•־ kennt. Eine dämonische Macht hat die Zeitung. Unter allen,Mach־ ten vergleichbar an Dämonie nur der Macht de» Oeldes Ala Scheidemünze gehen beide von Hand zu Hand. Wie die Büchse der Pandora tragen beide in gleiaaender Form daa Lehel, in goldienern Becher den Schierling. Unbegrenzt sind ihre Möglichkeiten — Nutzen wie Schaden, Gutes wie Böses Grosses und Kleines, Hohes und Niedriges fällt gleicherweise in ihren Bereich. Un merklich oit nur wirken sie und doch stark und unentrinnbar. Das Geld als die innerste Triebfeder der Handlungen — und die Zeitung als die eigentliche Quelle der Meinungen — wer möchte bezweifeln, dass darin eine stark allgemeine Wahrheit liegt! Wer namentlich in unseren Tagen! Darin liegt eines der aktuellsten Momente dieses daran sehr reichen Buches, dass es sich nicht begnügt, die Kraft uud die Macht der Zeitung nur als solche hervorzuheben, was moderne Autoren auch sonst schon getan, sondern dass es gerade auf Grund dieser ihr innewohnenden unbegrenzten Machtinöglichkeiten ihre Aufgabe lest umschreibt und die äusserst geluugene. und einfach schlichte Form dafür findet: In der Psyche der Welt hat die Zeitung die Aufgabe des Gewissens. Solche Bücher sind selten in unseren Tagen.‘ Menschen mit einer ,idealen Forderung“ sind seit den Tagen Brands nur noch zerschellt an dem über das Menschliche }hiuausgehenden Maas des Streben», oder seit Gregor Werle mehr oder weniger von dem Pesthauch der Lächerlichkeit umgeben, angetan mit dem mehr oder minder bunten Kleid des Narren. Nicht der leiseste Zug davon rührt an die Person des Helden unserer Erzählung. Der ist mit heiligem Ernst vor uns hingestellt, er lächelt nicht nnd macht uns auch nicht läeheln. Gebieterisch heisst er uns ihm folgen. Er führt uns nicht in strahlenden Sonnenschein, wo Schmetterlinge gaukeln und bacchantische Eintagsfliegen das ,Heute" bis zur Neige leeren : denn ״morgen sind wir tot!“ Aber auch nicht üffnet er uns die Hallen der ewigen zeitlose■ Kunst, wo Japhets Kinder auf ihre Weise den Weg zum Lichte suchen und ihn nur allzuoft nicht finden. Sondern er geht mit uns die dunkeln Schachte der Erinnerung. Selbsterlebt( s lässt er uns uocbmals erleben.