Jüdische Monatshefte
- Journal
- Jüdische Monatshefte
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- 11 (1915)
- Date
- 1915-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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361 ihm alle Materii• nur scheinbar und in Wirklichkeit blosse Krall ist! Lassen wir uun Ostwalds Theorie heiseite. Angenommen, die Materie sei real, so erfolgt also die Um- Wandlung derselben in Lebewesen, sei es auch nur in undilTeren- /.iertes l’r isma, durch die Zngeselliing einer Kratt. Ahstraliieren wir diese Kraft von der Materie, so wurde letztere ewig— tot bleiben wie nebeneinaiidcrlicgende Kader und Zapfen einer Uhr, bevor sie der Uhrmacher zusanimciisetzt und aufzielit. Auf den etwaigen Einwand. dass eine besondere Kraft, welche unter gewissen Umständen und Kombinationen anorganische Materie in organische — belebte — Materie verwandle, in aller anorganischen Materie latent enthalten sein könne, erwidere ich, dass diese Hypothese identisch mit der von allen wissenschattlichen Autor!• täten fallen gelassenen Hypothese von der spontanen (zufälligen) Schöpfung wäre, indem dann letztere unter gewissen Umständen entstehen müsste. Diese Theorie von der zufälligen, von selbst entstandenen l’rschöpfung ist aber, als allen Krfahrungen widersprechend, wie schon bemerkt, von allen Autoritäten beiseite gelegt, und es hat wieder der Grundsatz der alten Naturlorscbung: ״Omni* vivum e vivo“, alles Leben stammt wieder vom Leben ab, seine volle Gettmig behalten. Kur Hackel hält an der Theorie der zufälligen Entstehung des irdischen Lebens krampfhaft fest; jedoch ist Häckcl, so gross auch seine Verdienste auf naturw issenschaftliehen! Gebiete sind, als Naturphilosoph nicht ernst zu nehmen und wird auch als solcher von niemand mehr ernst genommen. Die Erfahrung hat uns gelehrt, dass alles Leben, alle organische Materie, nur wieder von etwas Lebendem und von anderer organischer Materie abstainnien könne. Man kann also mit grosser Wahrscheinlichkeit annehmen. dass *lie Kraft, welche die Materie organisch macht, nicht in der anorganischen euhalten ist. sondern sich, von ausserhalb der Materie kommend, derselben zugesellt. Ebenso scheint es einleuchtend, dass die Kraft durch die Arbeitsleistung. die sie an der Materie vollzieht, an Intensität verliert. Wenn sie trotzdem die Materie bis zun! selbstbewussten Menschen höhercntwickelt. so muss die, nicht durch materielle Verbindung beschwerte, freie Urkraft, welche nach Ansicht aller schon ewig existiert, auf der höchsten denkbaren Stufe des Selbstbewusstseins und aller Vollkommenheit sieh schon von Ewigkeit her betiuden. 75