Jüdische Monatshefte
- Journal
- Jüdische Monatshefte
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- 8/9 (1915)
- Date
- 1915-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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— 274 Zweite Feldpredigt an die Zuhausgebliebenen. Kin Jahr, wie ihr es alle noch niemals erlebt habt, lieg hinter euch. Seid ihr besser geworden in diesem Jahre V Wahabt ihr getan. nin das schwere Leid zu mildern., das zu Megim <les vergangenen Jahres über die Welt gekommen ist? Logt euch alle in diesen ernsten Tagen. heim Schall des Schotars, in dei Zerknirschung der Met• und Fastentage diese Frage vor. Meint ihr etwa, ihr hättet nichts tun können, um das grausige (beschick zu lindern, abzuwenden, zu verkürzen? Weun ein Strom voll Güte und Milde, voll Nachgiebigkeit und Liehe in diesen zwölt schaurigen Monsten einmal nur über die Menschen sich er gossen hätte, dieser furchtbarste aller Kriege—wäre längst vorbei:׳ (Je1 ete und Spenden reichen nicht aus, um ein Weltunheil 7.u bannen. Ha muss schon aus den tiefsten (juellejn deft.inensch liclieu Natur ein irischer Zug des Kd« Inuits und der Reinheit durch alle Schleusen des Vorurteils um) Hasses hrccheu. soll mitten ii diesem wahnsinnigen Kriegslärui eine Friedensbotschaft sich mit (Jehör verschaffen können. Her ewige Friede setzt ewige Men schengüte voraus Krst im abgelaufeneu Jahre hat sich uns die Natur des 1m> dernen Menschen offenbart, ln einen Abgrund des Zornes, dei Halsstarrigkeit, des Kigennutz.es, der (Jrausamkeit liess uns diesei Weltkrieg schauen, l'nd ehe nicht durch Lärm und Rauch, durcl Gier und Rlut der Geist selbstloser Menschenliebe sich zum Lichti ringt, wird nicht Friede werden. Wer weiss, ob wir nicht eine angen Periode von einander ablösenden Kriegen entgegengehen Was haben wir nicht alles in diesem grausigen Jahre erlebt Hie ersten Monate des Krieges, als das Schreckliche, das inz.wischei zur täglichen Gewohnheit ward, noch ein junges Krlebnis war, da Fortziehen der Jugend unter Trommelwirbel und Liedern, die end losen, laubbekränzten Kisenbahnwugen mit den »einenden Frauei Müttern uud Kindern davor und daun die ersten Kriegsbericht und Verlustlisten, dieser ganze wilde Tumult, der jeden Kinz.elm