Jüdische Monatshefte
- Journal
- Jüdische Monatshefte
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- 3 (1915)
- Date
- 1915-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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— 110 — Jüdische Geschichte. Wir warten auf dir Feder, die jüdische Geschichte uns schreibt. jDenn wohl wusste die Reform, was sie tat, als sie die Helfershelfer sich bestellte, die ihr die Spuren ihres Verbrechens verscharren sollten. Kine Geschichte von Jahrtausenden hätte sich erhöhen und hätte mit wuchtiger Faust das Gebäude zertrümmert, das sie in Leicht, sinn und in frivoler Schändung ewiger Heiligtümer einem Gescblecbte zu errichten sich erkühnte, das dabintaumelte in rnerfahrenheit. in Gedankenlosigkeit u,nd in Genusssucht. Sie. wäre herangetreten zu ihnen allen, die das Licht fremder Kulturen geblendet, denen der Widerstreit fremder Lebensziele die Sinne verwirit und hätte ihnen den Blick nur zu öffnen gebraucht für vergangene Zeiten. und sie hätten geschaut, dass die Forderungen des Tages nicht neu. «lie Heilesverkündigungen der Gegenwart nicht zum ersten Male ihr Ohr getroffen. Sie hätte ihnen mit eindringlichen Worten erzählt, dass es auch in der Vergangenheit. Kulturen gegeben, die den menschlichen Siun ebenso schmeichelnd zu locken verstanden hätten, wie scheinbar nur ״moderne Erkenntnis“ sich zu rühmen vermag, dass die Probleme einer sog. neuesten Natur- und Welterkenntnis so alt wie die Geschichte menschlicher Kultur überhaupt, und dass das Judentum und seine Träger nicht im 19. Jahrhundort zum ersten Mal sich auseinander zu setzen berufen seien mit Anschauungen und Forderungen, die fremde Kulturen gezeitigt, l'ud die jüdische Geschichte hätte sich ihnen von ihrem Aiilieginn darg! stellt als die Geschichte eines Volkes, dessen I taseinsberechtigung in der Verwirklichung seiner von Gott ihm erteilten Lebensnufgahe wurzelt: diese Lebensaufgabe niedergelegt in seiner göttliehen Wissenschaft, es selber in seiner Gesamtheit zum Träger dieser Wissenschaft geweiht, der es seine ganze Hingabe entge. genzubringcu habe, um aus ihr unverwüstliche Lebenskraft zu schöpfen. Sie hätte ihnen erzählt, wie dieses Volk sich im Wandel der Zeiten als Gottesvnlk, d. h. als Volk göttlicher Wissenschaft, göttlicher Lebensforderuugeu bewährt, und der unvergängliche Glanz seiner Vergangenheit, wo Begeisterung und Opterwilligkeit, Fesligkeit und Todesbereitschaft, herrlicher Stolz uud heilige Würde eines * von seiner Bestimmung erfüllten Volkes ein nnerhörten, unvergleichliches Heldenlied gedichtet, hätte bineingestrahlt