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Jüdische Monatshefte · 1915-01-01 · 3 (1915) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Monatshefte
Volume
2 (1915)
Issue
3 (1915)
Date
1915-01-01
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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106 m Mitleidenschaft Gezogenen als auch was die historische Trat• weite der nntcxoommenen Schrittebetrifft.Dieser Kri. g ist von einer Seliallstiirke, die noch späten Generationen in die Ohren gellen wird. Das int eiu schauriges Bewusstsein, ini׳ welchem sieli kein dynatniscbes Betrachten verträgt. Wetter und Winde sind fiir die Zerstörung, die sie anrieliten, nicht verantwortlieh. Da ließt in der Tat'ein elementarer Ansltriieli vor, der nicht bewertet, nur hiugenommen werden kann Der Krieg aber ist ein von Menseben inscenierte» Gewitter, für dessen Verlauf sie sieh geg! nseitig verantwortlieb machen. Die heftige, leiden• sclmftliche Art, wie ira Kriege die eine Macht der anderen die Ver* antwort'ing /.iisehiebt. tobt sieh gewiss nicht selten in Lügen und Verleumdungen aus — zu keiner Zeit, hat Bismarek einmal gesagt, wird so viel gelogen, wie im Krieg — und doch ist. wenn man vom .Standpunkte der internationalen Moral־־den־ Krieg betrachtet, gerade dieses flammende Pathos, mit welchem die Staaten einander zurufen: Du bist schuld, du hast angefangen, der bündigste Beweis, dass der Krieg kein dynamisches Müssen ist. sondern, wie die Kriegführenden selber es am deutlichsten empfinden, in die Sphäre des sittlichen Wollen* gehört. Auch im Kriege, der so manche Sitte lockert, können sieh die Menschen von dem Glauben an eine Vergeltung nicht befreien. Noch immer — und das mag uns wie ein freundlicher Lichtblick mit dem furchtbaren f'haos der («egen• wart versöhnen - ‘ n es die Menschen als einen Akt ausgleichender Gerechtigkeit, wenn die Katze, die das Lämmchen fräs», dem Angrift des Hundes erliegt. Der Tod sühnt, einerlei ob er Tiere. Pflanzen oder Menschen trifft. Ohne Tod können wir uns eine richtig•• Strafe, eine richtige Vergeltung nicht denken. I’nd doch muss ein Zustand möglich sein aut der Krde. wo Gott des Todes nicht bedarf, um Orduung und Buhe z.u halten. Denn so wie der Zustand heute ist. sühnt der Tod nielit Idos, sondern macht er die S" ‘ ׳, das Verderben, Vernichten, des Kämpfen und Morden eist möglich, l'nd so steht der Tod selber sehuldbelastet da. bis Gott aufsieht, um den Todescugel 7.u töten. X 445 19

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