Jüdische Monatshefte
- Journal
- Jüdische Monatshefte
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- 3 (1915)
- Date
- 1915-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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- 100 — Die vier Parteien. Vier Parteien-standen am Meere. Sie sind nicht ausgestorben, sie leben noch heute fort, wir müssen uns bloß Mühe geben, sie im Kreise unserer Glaubensgenossen herauszufinden. Wahrhaft erstaunlich ist die konstante Art. mit der sich seit den Tagen l'haraos die Charakternuancen in Israel bis auf die Gegenwart jierabgeerbt haben. Schauen wir nur zu, ob es nicht alte Bekannte sind, von denen uns die Mechilta zu 2 B. M.!4. 11 ft. erzählt. I. .. . Die erste der vier Parteien sprach: Laßt uns ins Meer stürzen! Zu ihr sprach Moses: Stehet fest und sehet die Hilfe des Herrn! Das sind die Schwachen, die im Augenblick der Gefahr an Selbstmord denken. Sie haben weder Selbstnoch Gottvertrauen. Sie glauben weder an Gott noch an ihre und ihres Volkes Zukunft. Ihnen ist Israel eine seltsame Grille der Weltgeschichte, zu nichts anderem bestimmt, als eine Weile, sich selbst und den Andern zum Mißvergnügen, zu dauern, um dann beim ersten feindlichen Zusammenstoß mit einem übermächtigen Pharao sofort und für immer zu verschwinden. Der Selbstmord, den sie begehen, ist ihnen nur die Beschleunigung eines unabwendbaren Geschicks. Den Mut, den Andere zeigen, und die energische Kraft, die sie aufwenden um Israel über Katastrophen, die ihm drohen, hinwegzuhelfen, erscheint ihnen als Frevel, als unnützes Tun, als künstliche Verlängerung eines qualvollen Lebens Sie' verachten und verspotten die Mittel, durch die Israel, allen Pharaonen! zum Trotz, sich selbst erhalten, sich selbst beleben, sich selbst^ verewigen möchte. Nur vom Tode, nur vom raschen und baldigen Sterben erhoffen sie das Heil■ Zu ihnen spricht noch heute MoseS: Stehet fest und sehet die Hilfe des Herrn!