Jüdische Monatshefte
- Journal
- Jüdische Monatshefte
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- 2 (1915)
- Date
- 1915-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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64 er durch 4»* *tcteOrganisieren nur. allzuleicht geweckt wird. Nur hu können wir einer Verdachung aus dem Wege gehn. deren Anzeichen hei Kriegsausbruch unleugbar vorhanden waren. Gottes Stimuie schallt heute von einem Knde der Welt his zum anderen. Sie hat ciiteni jeden Kreise hesof1dereH zu künden; I ns ruft sie zu: Die Zeit des ,.Lernens״ ist gekommen! Möge die deutsche Orthodoxie diesen Ruf verstehen! Notizen. Die Petrushlätter berichteten jüngst, die osinanische Regierung habe »neben eine Zusatzbestiinmung zum Artikel litt des Strafgesetihiiches durch Iradeh bestätigen las»en, derzufolge die Anhänger aller vom Staate anerkannte» Religionen, die die Vorschriften ihrer Religion vernachlässigen, von Stfalen betroffen werden, die von den Gerichtshöfen bestimmt!wnd. Die Türkei steht offenbar auf iloni Standpunkt, dass religiöse Frömmigkeit nicht hin» ein anmutiges Beiwerk zum Leben, sondern ein wichtiges Fundament der Staatswohltahrt ist. Ob freilich ein Staatsdekret, das den religiosen Leichtsinn mit gerichtlichen Strafen belegt, ein taugliches Mittel zur Krhaltung und Förderung eines wahrhaftigen, inneren religiösen Sinnes ist, darüber lässt sich sehr lange und sehr heftig streiten. Indessen sollten gerade wir .luden nicht vergessen, dass in den zehn Geboten neben ״Du sollst nicht morden“ auch ,.Gedenke des Sabbattages ihn zu heiligen•‘ steht, dass einst auch im indischen Staate religiöse Vergehen als Staatsverbrei hen geahndet wurden und dass demzufolge gerade wir .luden allen Anlass haben, jedes überlegene Roläoheln des unserem Vaterlnnde verbündeten Staatswesens zu vermeiden, wenn auch dessen Kampfansage an den religiösen Abfall wie eine Kriegserklärung an den europäi- »dien Modernismus wirkt. Zu unserem Bedauern konnten es sich unverantwortliche Mensehen nicht versagen, in unverantwortlicher Weise geschmacklose Witz•■ im jüdischen Idiom über die Zeitlnge zirkulieren zu lassen. Dies ist eine doppelte Sünde gegen die heilige Saehe und gegen die heilige Sprache Wir erklären, dass jeder ernste Jude diese F.iitgleisung vernhselieut und verurteilt. Des wirklichen Juden Pflicht ist es, «dem Krn»t der Zeit mit jedem Wort Rechnung zu tragen.