Jüdische Monatshefte
- Journal
- Jüdische Monatshefte
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- 1 (1915)
- Date
- 1915-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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auf gegenseitige Unterstützung angewiesen sind. Heide entstammen der einen und derselben Mutter: der modernen demokratischen׳ Idee. I)ank unserer demokratischen Erziehung liahen wir uns an die!,ressfreiheit in jüdisch-religiösen Dingen adion so gewöhnt, dass wir zwar die Kanzel der Synagoge fiir den Berufenen reaervieren, jedoch kein Bedenken tragen, die Kanzel der jüdischen Zeitung als öffentlichen Spielplatz ttfeiszugeheu. Die Lebensmittel dea Leihe«: Butter. /Käse u. a. \v, müssen unter Aufsicht bergestellt und verkauft werden. Da ist Fabrikation und Verachleisa an die Autorität einer religiösen Behörde gebunden. Bei den Lebensmitteln der Seele: bei Büchern. Zeitungsartikeln, Heden u.a.w.. welche die Gefahr einer seelischen Volksvergiftung auf Generationen hinaus herautheschwören können, herrscht Press- und Kedefreiheit. Hier wird mit einem .Male die Stabilisirung jedweder Autorität als lästige Fessel empfunden. Das sind denn auch ungetähr dieselben, die aber V ergewaltigung klagen, wenn eine jüdisehe Gemeinde dann und wann gezwungen wird, ganz uudemokratisch ihren Nacken unter das Joch der rahhiuischen Autorität zu beugen. Nicht immer wird diese Klage hörbar. Nicht immer äussert sie sich in solch durchsichtiger Form, dass Jeder merkt, wie hier wieder einmal die moderne Anschauung über deu Geist des alten Judentums den Sieg davon getragen habe. Sie versteht es zuweilen gauz meisterhaft, einen goldenen oder besser dunklen Mittel- «t־r zu linden, so z. B. wenn sie aul das wundersame Kompromiss einer sorgfältigen Abscheidung reli gionsgeset/.licher Fragen von Fragen der jüdischen Weltanschauung und Heiigio nspoli t ik verfällt Lasst uns doch einmal diesen («in ausgedachten Ausweg aus dem Dilemma, das hier durch einen Zusammenstoss von Autorität und Freiheit entsteht, etwas näher in Augenschein nehmen! Also nur dort stünde die Autorität der Kabbinen unantastbar da. wo die alltäglichen Vorkommnisse, die eine Kntscheidnng von koscher und trefa. inuttor und ossur bei-cben. in Frage stehen. Nur ein pcc über den rituellen Charakter eines Stückchen Fleisches, eines gebroebeneu Flügels, einer Hrub-Aulage etc. fällt in den Kompetenzbereich der Kabbinen. dagegen dort, wo es sich um Fragen der Weltanschauung, der Keligioiispolitik etc., also tim solche Dinge bandelt, bei deren fci^lsrheidung ein störender Kingrifl in bestimmte GefnhlswHsen und Denkgrwohnbeiten zn befürchten ist. haben sich