Jüdische Monatshefte
- Journal
- Jüdische Monatshefte
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- 10 (1914)
- Date
- 1914-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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346 trotz der grässlichen Katastrophe. ^_Sie waren ja niemals 80 ein* faltig, au( Grund theoretischer Erkenntnis unserer Verhältnisse den ewigen Frieden als den diesen Verhältnissen entsprechenden Zustand zu verk&nden, vielmehr je weniger diese Verhältnisse — Dreibund und Dreiverband! — den ewigen Frieden in der Welt der Erscheinungen zu garantieren schienen, umso eifriger, umso׳ unermüdlicher waren sie geschäftig, immer wieder und . immer wieder den ewigen Frieden za fordern, eine solch radikale Umgestaltung unserer Verhältnisse berbeizusebnen, dass der ewige Friede als krönender Abschluss in der Ferne wirken könne. Denn nicht genug kann in diesen schweren Tagen des Weltkrieges darauf hingewiesen werden, dass der ewige Friede nicht der Welt des Seins, sondern der Welt des Sollens angehört, dass er nicht Erscheinung, sondern Idee ist, dass er aber gerade deshalb in der Welt der Erscheinungen nie und nimmer Lägen gestraft werden kann. Mag der theoretische Verstand hundertmal auf diesen Krieg hinweisen und aus ihm die Notwendigkeit des Krieges fiberhaupt entnehmen, so bleibt nichtsdestoweniger unerschüttert wie ein Fels das Veto der ethischen Vernunft, das da spricht: Es soll kein Krieg sein, dieses Veto, in dem allein das Pathos ־einer Miltner und eines Jaures verankert war7 Es soll kein Krieg seinl Gerade in diesen Tagen, da wir alii e ungeheuren seelischen Impulse erleben, die die• 8er Krieg in uns auslöst, da das deutsche Volk unter seiner furchtbaren Wucht die herrlichsten Seiten seines Charakters offenbart, gerade in diesen Tagen wollen wir, das Volk der Dichter und Denker, das Volk Kants und Goethes nieht minder wie da» Volk des Moses und des .lesajab, mit doppelter Eindringlichkeit die ewige Forderung unseres geläuterten sittlichen Bewusstseins uns vor Augen halten: Es soll kein Krieg sein! Wir brauchen wahrlich Kant und Goethe noch Moses und die Propheten zu verleugnen, da wir in diesen Krieg ziehen. Nicht w ir haben diesen Krieg gewollt Wenn Rousseau und Voltaire sich schaudernd von der unfassbaren Verirrung ihrer Enkel abwenden, verleiht uns das sichere Bewusstsein, alle Genien unserer Kultur auf unserer Meile zu halten, jene unbeugsame moralische Kraft, die allein iui Stande ist, ruhigen Auges der Schieksalstuude Europa» entgegen zu sehen. Es soll k!-in Krieg sein! Noch heute