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Jüdische Monatshefte · 1914-01-01 · 7 (1914) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Monatshefte
Volume
1 (1914)
Issue
7 (1914)
Date
1914-01-01
Page
[Seite] (sequence 17)
Language
German
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255 orthodoxe Gottesdienst nicht unter Aufsicht des neologen Hab- ^inats stehen dürfen, warum sollte der orthodoxe Rabbiner seinen! neologen Kollegen nicht verantwortlich sein dürfen, und warum sollte es denn nicht gestattet sein, daß in der Ritualkommission neben dem Vereinsrabbiner auch der Gemeinderabbiner sitzt? _Man befurchtet einen in der Zukunft ausbrechenden kulturkämpferischen Gesinnungswechsel? Ja. ist’s nur an dem — dann möchte ich mir doch gestatten, folgende Frage aufzuwerfen: Wäre eine ״religionspolitische* Hypothese, die sich etwa so vernehmen Hesse, daß es, um die Xeologie in! Zaum zu halten, nach all dem bisher Erlebten, eines leibhaftigen Austrittsgesetzes gar nicht bedürfe und schon die bloße Möglichkeit, daß eine vergewaltigte Orthodoxie den Austritt erstreben werde, imstande sei, der Xeologie den Angstschweiß auf die Stirn zu treiben — wäre diese politische Theorie wirklich so brüsk von der lland zu weisen, daß man nicht einmal versuchen sollte, sie für die Lösung der Revisionsfrage auch praktisch zu verwerten? Ich bin sonst kein Freund historischer Konjekturen, allein mit der Konjektur, daß die Frankfurter Reform zu ihren Bürneplatz-Concessioncn schon vor 187(1 bereit gewesen wäre, hätte sie nicht bis znm letzten Augenblick gehofft, das Austrittsgesetz hintertreiben zu können, vermöchte ich mich selbst auf die Gefahr hin zu befreunden,!laß dies vou intimeren Kennern der Frankfurter Reformpsyche bestritten werden sollte. Daß aber dem Nürnberger Reformvorstand gegenüber schon das bloße Säbelrasseln mit dem Austritt irenügt hat, um ihm eine Angst vor dem Austrittsgesetz, noch bevor ein solches erlassen, ja noch ehe der Entwurf eines solchen in Angriff genommen ist, in einer Weise einzujagen, daß er sirh zu Konzessionen bequemte, zu welchen die Frankfurter Reform vor 1876 sich nie und nimmer verstanden hätte — gewährt er ja der Adas Israel einen Rechtsanspruch auf einen Zuschuß aus der Gemeindekasse und einen Beitrag zum Gehalt des Vereinsrabbiners (Konzessionen, die inzwischen noch wesentlich erweitert wurden) — dazu bedarf es keines historischen KonjekturalVermögens, das liegt ja in jenem angstgeborenen Paragraphen klar zu Tage, den er in den Vertrag hatte hineinbriugen wollen und wonach der Verein Adas Israel sich verpflichten sollte, ״seine an das Königliehe Staatsministerium des Innern für Kirchen- und Schulange-

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