Jüdische Monatshefte
- Journal
- Jüdische Monatshefte
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- 6 (1914)
- Date
- 1914-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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meinden Deutschlands und fragen wir uns, welche von diesen De• meinden in ihrer Verfassung die Idee der jüdischen Gemeinde ver* körpern! I)a begegnen uns in der Hauptsache vier Arten, vier Typen von Gemeinden. Wir sehen da eine ganze Reihe von Gemeinden, die mit dem überlieferten Judentum mehr oder weniger gebrochen haben. Die Einrichtungen der Gemeinde: Gottesdienst, Kanzel, Schule usw. haben den Boden^der יד־ה verlassen. In der Synagoge steht eine Orgel. Das (Jebethuch ist nach modernen Hediirfnissen zurechtgestutzt. Aufder Kanzel predigt ein Rabbiner, der die Kichtlinien unterschrieben hat oder sie hätte unterschreiben können. Man kann nämlich auch ein Richtlinienrabbiner sein, ohne die Richtlinien unterschrieben zu haben. — Eine solche (Iemeinde, die in den wesentlichen Merkmalen ihrer Verfassung mit der וד־־ה gebrochen hat, kann selbstredend nicht mehr als jüdische (iemeinde bezeichnet werde!!!* Sie ist gewissermallen eine .ludengemeinde, aber keine jüdische Gemeinde. Wohl zu unterscheiden von diesen Reform- oder, wie man heute sagen kann, Richtlinien•( ■emeindeu sind solche, in deren Mitte wohl von Zeit zu Zeit Rcformbestrebungen sich geltend machen, jedoch ohne dali es diesen Bestrebungen gelingt, die Verfassung der Gemeinde wesentlich zu beeintlussen. Diese Klasse von Gemeinden wird man ohne weiteres als jüdische zu betrachten haben, solange es eben den Reformbestrebungen in ihrer Mitto nicht gelingt, sich durchzusetzen und oHiziell anerkannt zu werden. Schauen wir uns weiter uuj.jp. der -deutschen .ludenheit, so bemerken wir als dritten Typus, ^kie beträchtliche Anzahl von Gemeinden, die so glücklich sind, migiöse Kämpfe in ihrer Mitte fast, niemals, jedenfalls nicht in nennenswerter Weise erlebt zu halien. Das sind eigentlich die glücklichsten, gesündesten Gemeinden. Der Zusammenhang mit der Vergangenheit ist hier niemals unterbrochen worden. Die einzelnen Familien leben friedlich miteinander, Kampf und Hader ist ihnen erspurt geblieben, Gewill ist auch in solchen Gemeinden der religiöse lieichtsinu zuhause. Aber dieser I.eichtsinn hat niemals gewagt, auf die Gestaltung, auf die Ver* fassung der Gemeinde. Kintlult zu üben. Kr blieb auf das I'rivatleben der Einzelnen beschränkt; und so lange das der Fall ist, kann auch die Einheit der Gemeinde aufrecht erhultcn werden.