Jüdische Monatshefte
- Journal
- Jüdische Monatshefte
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- 6 (1914)
- Date
- 1914-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/4900572-5964853-5964880--0230-4900791- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
210 zum Mittelpunkt, zum Ausgangspunkt der Weltanschauung machen, gilt des Hi Vorschrift, daß es Pflicht ist, vor Beginn des Gebetes zu sagen ■הי־';' בקבל עלי כצ'״4 •ארב״. ל*עך :דד. Ich nehme auf mich die Erfüllung des Gebetes: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. So ist des jüdischen Tages Anfang. Der Gedankengang und seine Begründung ist wunderbar. Kr geht aus von der Erwägung, daß auch die für den Sühnetag verheißene Versöhnung abhängig ist vom friedvollen Ausgleich aller Beziehungen, die zwischen Menschen obwalten. Genau soi&t es ein Vergehen, betend vor den Allmächtigen zu treten, solange noch im Herzen ein Groll gegen einen anderen nistet, so lange wir in unserer Beurteilung nicht jedem gerecht geworden sind, so lange wir nicht bei jedem, der uns entgegentrat, die Möglichkcit des Guten erspürt haben. I)a wird uns eine wundersame Geschichte erzählt. Ein Chassiditurabhi, der jene Pflicht ängstlich gewissenhaft erfüllte, wurde eiüiu&l auf dem Wege zur Synagoge von einem rohen Geseilen gröblich insultiert. Träumend und weinend stand er lange in der Synagoge und konnte und konute sich nicht entschließen, das Gebet zu beginnen; er hatte an jenem eine gute Seite nicht finden können. Endlich sagte er sich : Kennst du die Tiefe des Leides, das in einer armen Seele solche Verbitterung erzeugt; weißt du, ob nicht der Allmächtige an ihn in schweren Stunden herantrat; sicher ist er Gegenstand des Mitleides; ich will ihn lieben und will ihm helfen. Dann sprach er mit heißer Inbrunst das Gelöbnis und war glücklich durch Mitleid den Weg zur Liebe, durch Liebe den Weg zum (lebet gefunden zu haben. l'nd wie endet der jüdische Tag!׳ Aus derselben (juelle stammt ein anderes Gebot; abends, wenn du müde dein Lager aufsuchst, nach Abschluß des Nachtgcbctes, das letzte Wort, bevor die Seele zur Traumwelt sich tlüchtet, es sei: "צ" י' צא" ר:ר צאן רצע*. Verzeihe der Ewige allen die mich kränkten. Wir meinen, so begonnene, so beschlossene Tage verdienten es, besonders gut gezählt zu werden. P. K. %