Jüdische Monatshefte
- Journal
- Jüdische Monatshefte
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- 6 (1914)
- Date
- 1914-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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20s Anfang und Ende des jüdischen Tages. [Sephira-Zeit]. Virlt* Bücher sind Uber die Kthik des Judentums geschrieben, doch nichts erreicht die Hohe, auf welcher schlicht und einfach di»! Erinnvrungswdt der Sephira-Zeit gelebte Ethik zeigt. Es ist ja maihuglicli bekannt, daß diese Tape des Umerzählens in echt jüdischen Kreisen von einem Hauch leiser Wehmut petrapen sind, der uns jede rauschende Freude verbietet und gewisse Zeichen entsagender Trauer von uns verlangt. Frommes Gedenken ^ftthrt ans^rtrjtmgtr^rftrftorhaufeib auf denen einst vor nunmehr fast tausend Jahren in den sonnigen Frühlinpspauen Westeuropas jüdische Seelen durch lebensüberwindende Treue für die Wahrheit ihres Glaubens Zeugnis ablegten. Ernste Schauer zwingen uns an das Krankenbett, auf dem vor mehr als 1800 Jahren schmerzverzerrt eine ganze Generation von Talmudjüngcrn ihr Leben endeten. Zwölflausend Schiilerpuare, so erzählt uns der Talmud (Jevamotli <i2b), ticlen in jener Zeit einer epidemischen Krankheit zum Opfer; sie batten ■׳ihr Leben verwirkt, weil sie es an gegenseitiger Achtung fehlen ließen. Das ist ein ernstes Memento. Je heftiger der Kampf der Feberzeugung wogt, desto größer ist die Gefahr gegenseitiger Verkennung und die Grenze, an der sachliche Gegensätze zu persönlichen entarten, ist sehr knapp und eng bemessen. Begritfe, die auf ganz anderen Gebieten geprägt sind, haben eine allzu starke Betonung der Persönlichkeit auch in jüdischen Kreisen Platz greifen lassen. An der Spitze der jüdischen Kthik steht für die Beurteilung des Nebemninseheii eigentlich die Diskussion der Motive, ein Gedanken, welche schlichte Spruchweisheit in die Mahnung gekleidet hat: beurteile jeden Menschen nach den Möglichkeiten des Guten in ihm.״) Wir glauben, daß folgende vom Talmud <Sabbath 127 b) gebrachte Erzählung die beglückende Bedeutung dieser l.ebensansetiauung am klarsten darlegt. .Des llvrkanos Vater hatte einen Lohnarbeiter; der diente ihm drei Jahre. Nach Ablauf derselben, am Küstlage eines Festes, sagte er zu ihm: .Gib mir meinen Lohn, ich ־■• ״ *־. ־»•: 1•