Die jüdische Frau
- Journal
- Die jüdische Frau
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 7/8 (15.5.1926)
- Date
- 1926-05-15
- Page
- [Seite] (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Moritzcßens Tagebucf). Milgelcilt v imi Karl 111 i n v: c r. (EortxetzuiigT. Un icli liabb mit Schloine Rosenthal vereinbart. ..Wenn ich werd grob sein um luibb ä Schnurrbart werd ich die Rubel heiraten.“ l n Sclilomc hat gesagt: „Von mir aus!" L'n er hat auf die künftige Seine ägerscliaft hin sich vom mir eiint weilen die Schulaufgaben machen lassen. |)ie Jahre fliehen pfeilgexchwind. sagt Schiller. Sie wären auch pfeilgeschwind geflohen, wenn’s der Schiller nicht gesagt hält’, laues I ages war ich fertig mit der Schul, um die Schul war fertig mit mir. Nicht etwa, weil ich schon alles gelernt liabb. was es auf der Welt zu lernen gibbt. Ich liabb mich im besten Einvernehmen von meine Lehrer getrennt: mer haben beide dasselbe gesagt, nämlich: (iott sei hank." Was nun? Ich liabb schon erzählt. daU ich Kaufmann werden sollt. Allein es war nicht so leicht, für mich zu finden ä Stell als Lehrling. ]temr wenn die Leute gehört haben, ich bin aus Hutters* heim, haben sc die Nas' in die Hohe gezogen, dali se ausgesehen hat wie ä Regenwurm mit Leibschmerzen un haben gedenkt: schon faul! Mei late hat geschrieben an Pontius un Pilatus, uu er hat überall Absagen gekriegt. His zuletzt doch.a /»sag gekommen is. (jegenüber von uns wohnt nämlich der Chassen, wo ä Hruddr hat in Philadelphia. Nu. um der Hrüder in Philadelphia hat äitul gewohnt in Venedig in ä Ercmdcnpension von ä gewisse brau Lewin. Un diese brau Lew in is bekannt mit ä Herrn Lilienstil in Madrid, was in geschäftliche Verbindung steht mit ä gewissen Herrn Davidsohn in Yokohama. Un dieser Herr Davidsohn in Yokohama hat mer verschafft ä Stelle als Lehrling bei (iebruder Me\er. Herrenkonfektion, in Hcrlin. Is doch gut. wenn mer sich hält mit sei’m Chassen! Mei Maninie hat schon angefangen zu flennen acht Tage vorher, eh' ich bin abgereist aus Hattersheim. Mei Tate aber hat mich beiseit' genommen, hat sich auf cn Stuhl gesetzt uu hat gesprochen: ..Moritzche." hat er gesprochen. ..hock dich aufs buUschetnelche! So! tianz dicht zu mir! l n jetzt guck mich an. denn ich huh mit dir zu reden!“ „Tu derr kein Zwang an!“ liabb ich gesagt. I u er hat sich auch keinen angetan. Lr hat mer die Hand auf'n Kupp gelegt ä sehr schwielige Hand auf '» sehr dicke Kupp — und hat angefangen I r hat gefragt: „Moritzche. mei liebes Kind, weiht du eigentlich, woher die Kinder kommen?“ „(ienau weih ich’s nicht!“ liabb ich entgegnet. „Mer haben schon öfters drüber geredet in det Klass*. aber mer haben uns nicht recht einigen können. Der Eliasberg sagt, die Kinder werden ge-* sät in ä grolle Hlumciitnpf. un die Eltern müssen se so lauge mit iltr'iu Herzblut begleiten, bis sc reif sin Aber die Sach' hat uns nicht recht koscher geklungen.“ Auch mei'm late hat se nicht sehr wahrschein lieh geklungen, er hat gelächelt uu hat gemeint: „Ae bische anders is es doch!“ l n er hat mer erzählt, wie's is. Ae tZelebrier hält' vielleicht schönere Worte dafür gefunden, er hält' vielleicht a Menge lateinische Vokabeln dabei angewandt mei late hat kei 1-atein gekeimt. Er hat geredet, wie 'm die Hände gewachsen waren, uu ich liabb ihn ver standen, so gut verstanden, dall ich an dein AIhmiJ beim (iutcuachtkiiU meiner Mutier bin uin. de Hals gefallen un geweint liabb uu gcstummcll Ich liabb dich so lieb. Mumme, so heb. wie ich den gar nicht sagen kann! Am nächsten lag hat nncb mei late wieder bei Seit' genommen uu hat gesagt. ..Moritzche.'- hat er gesagt. ..du kommst jetzt nach Hcrlin! Du wirst viele Menschen keimen lernen un du wirst t elur tascliimgeu erleben und Enttäuschungen. Mu r das macht nix' Der Mensch hat a hielten Htickel. es geht viel drauf. I all dich nicht ciiischiichtern werd kein. Pessimist, sondern halt fest an dem Satz I m ui e r das Itesie von d e n M e n x c h e n denken! Ich liabb nicht viel von der Welt gc sclicu. alver doch s o viel, dall icITvIcrr sagen kann Pie Welt ix schon, sehr schon, uu. die Menschen sin gilt. I'or reden (i.ineft. den der letifel erschafft schafft der liebe tiott zehn gute Menschen' Trag nicht danach, ob einer reich is' Demi u gelulltes Portemonnaie kann der Mensch verlieren., sei gutes Herz aber, das ,s icxtggvvacliseu. das kann er nicht verlieren, noch kann’s m n luxchcudieb stehlen. I rag nicht danach, wo einer geboren is. frag dich lieber, wo ei sterben wird' I h de schnell urteilst ober andere, pack' dich an dei eigene Nas' wer weilt, ob de der Hand nicht schmutzig ziiriickziehst' Nimm dich in acht vor de Werber, nimm dich m acht davor'“ „Se werden mich nicht bellten'“ liabb ich mein n late unterbrochen. „Ich wollt , die I rstc tat dich 1 a betHeii' S > heilten, dall de gar kein \ppetrt verspürst nach dem t lebiU von der /weiten' l u noch v ms mei klud Du wirst sehen un es wild den weh tun dali' w ir luden sin v erhallt bei v u le Menschen, dall mei sin verschrien, ln du wirst vielleicht denken, v» is besser, a Christ sein' I ass' dich nicht taufen! I u'x nicht auch wenn de meinst, es ‘wäre vorteilhafte! for dei I <>,tkoinmen! Denn wenn di dich .iiicIi z e li ii ui a I schmatliii lallt wenn de scliuttst a ganzes Meer von Weihwasser auf den Kopp. wenn de dich auch nennst Marlin I iiI'hi statt Moritz Silber stock du bleibst di»cli a lud' l ii so (iott will a guter lud' Sorg dufor. iiki Kind, d a IJ d e r r d 11 I e ii t ' n 11 w .1 s V c h 11 m - iii eres n a c h s a g e n ko u u e u als dall d e a lud bist!' Ni hat mei I ate zu nur gereift I n hat aber inals die Hand auf iiiiTu hopp gelegt und hat gefinstert den alten Segen. womit ihn schon mein > rrollv ater selig hat gesegnet, den alten Segen, wo rillt Israel sinn Sohne segnet seit loseplis /eilen I v is a schonet Sigeii un ich glaub, die frei denkendsten Inden fühlen dall ihm a Wnndirkraft innew oliiil Der Abschied von meine I Ilern Is Iller schwer geworden. I aM noch schwerer aber is imi a anderer Abschied geworden dir Abschied von meiner Raitel. Den lil/te Abend wo ich daheim verbracht liabb. bin ich hiimhch zur I ur eiiausgc schlichen, uu bin gelaufen nach dem Haus wo' Rosenthals gewohnt halten Die Rubel hat vor der Haustur gewartet aut mich Ich traft nur unter wegs vorgenoinmin. heul kriegt die Raitel /um Abschied den ersten Kuli Aber wie x* vor mer gestanden is. liabb ich muh nicht getraut obwohl leb JttdbclM Fnwu. werk« Mir „LH« MiMkIw Fr»«“! II