Die jüdische Frau
- Journal
- Die jüdische Frau
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 7/8 (15.5.1926)
- Date
- 1926-05-15
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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von hüben und drüben über den neheimuisvoll rauschenden blüh. Bann waren die Abenteurer im IHinkel der Nacht versehe »,nt..,e--- Luter Jankews kluger Luhrunu hatten sie bis I ui;esunhruch glücklich alle (iefahren. die von den zahlreichen_ubrinvm—WuehlpuMCn iinu Streiipatrouillen drohten. Veschickt mucancciu AU der emportauchende h'euerball der Sonne das erste flammende Rot über die beider fern im Osten coü. traten sie schon In den Schutz des Waldes; einer jener dichten, cleichformicen polnischen Wälder. die weclos bis in die l nendlichkeit zu fuhren scheinen. Wie hob sieh der Mut der I tahinsehroitendcii zu froher Zuversicht, als I.eoscha von Jankew. der die vtanze Heuend kannte wie seine lasche, erfuhr, dal! die alte Rivvka. Sarahs (irolhmitter. noch in Leosclias Meimatsort lebte. Bis dahin aber war es noch weit, und .lankew führte die MuncricCn. L ebernächt igten um die Mittagsstunde aus dein Walde heraus, zu einer seitwärts vrelecenen Siedlung, in der er einen Pferdekauf abzuschliellen hatte. Hier trieb ein blull. kleiner und schmäler als die Brevveuza. aber wilder, brausender, das tiefälle eines Wassermüllers. Nathanael sah erstaunt auf den croüen. breitschultrige» Manu, der hier, mitten in Polen, in deutscher Kleidung ihnen eiitgegeutrat und mit rein deutschen Worten sie begrühte. Jankew flüsterte Sarah zu; ..Kr is von uns! Sieht aus wie e Rezeiach (Räuber), aber e jüdisch Herz un der beste Mensch auf der Lrd‘. Wenn wo einer euch helfen kann, is er's." Josef Brauns, des Wassermüllers Norfahr. aus einer rein deutschen .ludeuiamilie stammend, hatte einst von mehr als hundert Jahren einem König von Polen in schweren Zeiten das Leben gerettet, und zum Bank fiir alle seine Nachkommen das sonst v erstattete RechT auf Landbesitz erworben. Bas war ihnen nachdem auch vom russischen Zaren bestätigt worden. Ihr Betitschtum und ihr Judentum, gleich rein und unverfälscht, hatten diese Leute sich zu bewahren gevv ul!t. Lvaneelische Bcutsche. meist Mandwerkerfnniilien. hatten.sich, w ieschutzsucliend. in ihrer Nähe niedergelassen, daneben katholische Polen und polnische Juden, und von Regienmgsvvegen russische Beamte und Soldaten, deren griechisch-katholische (iesange am Sonntagniorge» .aus dem langgestreckte» Beamtenhaus klangen. laue seltsame Siedlung fürwahr, dies .Brielow ka" hier in dem Winkel hinter dein Walde in der alle Konfessionen und Nationalitäten in I rieden und Lintracht beieinander wohnten. ..Wie im hchtigen (ieu Lidern!" meinte Jankew w itzig. und als solcher erschien der <>rt auch den I liichtlingeii. als sic in der Mittagssonne des M.u- I. ges ihn zuerst erblickten. I nter der groben offenen Halle vor dem Blockhaus des Muhlengeholtes. über das .die NulJbamiie und Kastanien' ihre Zweige streckten, wartete eine lange, stets weil! gedeckte lafel auf jeden hungrigen Wanderer, der in Beschaffen oder auch nur um aus zuruhen, in der Muhle vrukehrte, Waren die Speisen auch nach strengem jüdischen Ritus bereitet, sie mundeten auch den anderen Zutraulich kam Josef Brauns blühende kmderschar dein ängstlich befangenen Nathanael und der scheuen Sarah entgegen, indessen H .nstr ... ... rv lieh die I eher füllte Jankew hatte es übernommen, den Hausherrn msgeheim in das •Beschick der Kinder emzuweihen Nachdenklich schüttelte er immer' wieder den Kopf über N;|tti:oi.n.|y wli> mc—Hv sehlcfTTC l’lot/iicli nickte er aufgeregt vor sich Inn und schlug mit der Hand heftig auf den klirrenden lisch, als tauche ihm ein erstaunlicher Bedanke aut Wahrend cerade die I ischceiiosseu verwundert zu ilun hiublickteii. trat ein »mger. etwa dreiundzwanzicjahricer Mensch im langen braunen luden rock mit einer Meldung an den Hausherrn m die Halle. ...Mein getreuer Herschel." stellte der ihn der I reindcm vor. ..und trotz seiner Jugend mein tudi tigster Helfer und Stellvertreter m der ganzen Muhlenw irtschaft " I.eoscha. und nach ihr all die anderen, sahen uIht rasch! von dem lungen Mann zu Nathanael wie vergleichend hin und her Seltsam, höchst seltsam dasselbe widerspenstige dunkle Kraushaar an beide' Kopfe, der gleiche, versonnene Blick der grölten, schwarzen Augen ..Schaut nur. der Berschel und der I remde w ie Bruder!" rief erstaunt eine kleine B»cliler der Brauns, „nur dal! er alter ist " Ber Hausherr aber murmelte vor sich hm: . Wird schon stimmen, wird schon stimmen'" In einem der armseligen Holzhäuser am I nele der mählich bergansteigendeii Bortstralte von Bieluwka schaute ein blasses. Ieidend.es I raue ngesidit unter dem dunklen Stirnscheitel von ihrem lederbezogenen Armstuhl wie sehnsüchtig durch das kleine Stube» feilster auf die hier und da v o, beiziehenden f rae tu vv agen. Iahr um Inlir sali Handele sehon so mit gelahmten 1 u Ben aut ihrem Stuhl, den ihr Veite stet. Hei sehet von seinem erstell Verdienst ihr ge»e he nkt Vb und \ ZU lielt sie wohl das Strickzeug ruhen und net einen der Kutscher lieiaii Horte sie dann, dal! er drüben in freu heil und gar m der Stadt I horn ee wesen. s. > stellte sie allerlei seltsame I ragen, aut ehe eie r ande re meist kopfschüttelnd ehe Antwort schuldig blieb B.iiiii zog ein trübe s l .iclieln um Handeies le inen fast noch nic'endhcheii Mund Sie w übte 1.1 se lbst wie nutzlos all diese I ragen, und w leg fern ehe Mog nchkc.it lag dal! sie )c beantwortet wurden I nd doch hatte das Mutterherz m all diesen bald sedi zehn laliren. die so viel leid ube r sie gebracht die Hoffnung nicht autge ge ben Vuf einmal tonten Stimmen vor ihrer I ur ehe nicht v>>rbe izogen Schritte liehen sich ,oit de in kleinen Vorflur hören I i. wer war de nn das ' I in eliese Naclimittacsstuiiele w.nen ihre Kinder alle noch im < trte beschafftet uiid halten keine Zeit, nach der Mlittct ZU sehen ' Sie lauschte war das nicht ihres Hörschels stimme'' Bei kam doch sonst am alle rspatesteii. gönnte sich manchmal bis Mitte rnaclu keine Ruhe m eie ui nie rastenden Vf üble »betrieb I Hel gar auch der Herr Braun ' Was führte die beiden am hellen Vibe it-tag /u ihr - HcaucstiKt versuchte die Iran den ge bannte n Körper autzu richten doch nichts passiert etwa' Irgendein neues I e id ' Ba traten sie schon m de stube llersdiel und sein Brotherr . Vlut noch einer ve.ir itnt itinen ein I re Inde r