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Die jüdische Frau · 1926-04-26 · 5/6 (26.4.1926) · p. [Seite]

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Journal
Die jüdische Frau
Volume
2 (1926)
Issue
5/6 (26.4.1926)
Date
1926-04-26
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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V Da« füttisclje Kinä BEILAGE DER ZEITSCHRIFT .DIE JÜDISCHE FRAU* - Pipsi. - I ine Kindcrer/.nhluug von S i e g f r i e d \ I* e I e s In einer kleinen Stadl lebten viele .Inden. Fast jede bamilie wohnte in ihrem eigenen Manschen, l'nd weil zu den meisten Mäuschen ein groder Mot gehörte, durch den Ort ein breiter Mach floß und es überall auch mitten im Städtchen grüne Ulriche» gab, hielten fast alle Juden Mülmcr und (iänsc. Lrau Löwy. die Mutter des elfjährigen Menjamin. züchtete vor allem Hühner, ln der Xcit. da dfe" Hühner brüten und die Küchlein aus den Liern krochen, gab es auder den zwanzig älteren Hühnern oft über hundert Mühnerkinderchen in ihrem Hof. 1 >a war es selbstverständlich leicht, einen guten Sabbatbraten zu haben. Linmal beriet sich Uran l.owy mit ihrem Manne, welches Mulm man für diesen Sabbat schlachten sollte. ..Ich glaube." sagte der Vater. ..nun muH doch endlich einmal Pipsi an die Weihe." ...Mitte." rief Menjamin. ..nicht mein Pipschen! Ich habe es so lieb! Ls fridt mir aus der Hand und gestern ist es mir wieder auf den Kopf geflogen." ..Aber Pipsi legt schon lange kein Li mehr." sagte die Mutter. ..So leid es mir tut. dir deine Lieblingshenne zu rauben, aber wir müssen zuerst die alten Hühner töten." Dem armen Menjamin standen die Tranen in den Augen. ..Dann will ich Pipsi selbst zum Schächter tragen." rief er. denn es war ihm. als ob er so der weiden Menne mit dem schwarzen Kopf noch /um letzten Male etwas Liebes tun konnte. Am nächsten Morgen gab ihm nun wirklich die Mutter Pipsi in die Hand. Lr duldete nicht, dad der Menne die Lüde zusannnengebuuden wurden, denn er vvudte. dad sie sich auch so ruhig von ihm tragen lied. Langsam, traurig ging er mit seiner Pipsi dahin. Sollte er nicht doch zurückgehen und der Mutter sagen, er könne seinen Liebling nicht toten lassen. Aber nein, dann würde das Dienstmädchen geschickt werden. Da wollte er doch lieber selbst gehen. Der Schächter w ar ja sein lustiger Onkel Simon, der ihn so gern hatte. Lr wollte den Onkel bitten, dem Pipsi beim Schächten nur ganz wenig wehe zu tun Der Weg zum Schächter führte über den grollen Platz, auf dem au jedem Lreftag Markt abgehaltcu wurde. Da standen aucl viele Mauern, die Hühner zum Kaufe anboten. ..Nein, ich will es nicht sehen.“ dachte Mcnjuiniu. ..wenn mein Pipsi gelotet wird Am besten wäre es. wenn ich Pipsi verkaufen und für das erhaltene Oe Id eine andere weille Menne mit schwarzem Kopf kaufen würde. Die will ich dann schachten lassen. Kein Mensch wird merken, was ich getan habe “ Lr stellte sich mit seinem Huhn in die Pcihcii der Ncrkäufcr. worüber niemand staunte, denn es kam in dem Städtchen öfters vor, dall ein lüde, wenn er Oeld benötigte, einen seiner I uitnlicnungcliorigcn mit Hühnern auf den Markt sandle Maid kam mich eine Uran, die Meiijamuis Menne kaufen wollte Der Knabe nannte ungefähr die richtige Summe, denn er kannte die Preise der Hühner. IVk.Ii sehr verwundert war die I ran, dall Menjamin. ehe er das Huhn »bergab, dieses trnnendci, _Auges kuUle Lange, lau.-, uh^ dmmatcr Kajifenn nach, die sein Pipsi forttrug Nun suchte Menjamin den ganzen Markt ab. nirgends aber erblickte er eine wciUe Menne mit schwarzem Kopf ..Nun. so will ich eine andere Menne kaufen." dachte er. ..Die I Item werden um schon verzeihen, wenn ich ihnen alles er zahle und es morgen doch einen Nabbatbraten gibt ' Maid sah er auch, dall er Pipsi doch ein wenig zu billig abgegeben haben muhte, denn mit dem erhaltenen Oeld vermochte er nur ein viel kleineres schwarzes Mulm zu erstehen. l angsamer noch als zuvor setzte er den Weg zum Onkel Simon fort. Lr fürchtete sn.li mein nur vor der Strafe daheim, sondern hatte aiieli diese tremde Menne gern nicht schachten lassen Im Hofe des Schächters standen viele I rauen. Dienstmädchen und auch einige Knaben um Hühnern. Oänscii und Truthühnern, denn am Nahhut will jeder Jude einen guten Mraten haben Hciijumm stellte sich au die anderste Lcke des Hofes I ndlicli kam Onkel Simon. Aber der Knabe lief ihm mein wie sollst entgegen, denn der < hikel kam mit einem schmalen Messer aus seiner Wohnung, das er an einem Steine schliff. Da wurde es dein armen Meni.niiiii bange um sein Hühnchen und rasch ein schlupfte er mit diesem durch eine kleine lur ms Lrcie. W as sollte er nun aber beginnen ' Mn dem grolle» weihen Pipsi war er fortgegangeii und mit einer viel kleineren, schwarzen Menne kam er nun nach Mause Und auch die war nicht geschachtet' Langsam, anderst langsam schlich er dahin Da merkte er. dall die Menne ui seinem Arme sehr unruhig war. ..Armes Iler. duJite er ..wie fest haben sie deine Meine /usuttiirieiigebuuden1 Das mild dich doch schmerzen' Ish will die Ncliuur losen, aber Ich werde dal»ei recli.t vorsichtig sein So vorsichtig er aber auch den I aden .iiifhund husch, entwischte ihm dir Menne und flatterte uIk r einen /au». Menjaimii war aber flink und gewandt und schon kletterte er auf der Lmzaunung empor In seinem I ifer merkte er gar nicht, dall ir sich an einem Nagel die Mose zerrid. Auf der eilige friedeten Wiese versuchte er nun lange vcrgcbciiv die schrei v nde fluchtende Menne zu erhaschen Lm mal schlupfte sie zwischen seinen luden hindurch und plumps lag er am Moden. Ludlich fing er das her .d>er doch und kroch mit ihm durch ein Loch mi /..um. das er wahrend des Mut- und Meriagens er blickt halte

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