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Die jüdische Frau · 1926-02-15 · 1/2 (15.2.1926) · p. [Seite]

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Journal
Die jüdische Frau
Volume
2 (1926)
Issue
1/2 (15.2.1926)
Date
1926-02-15
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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Euas Hocnzeit. Aus ..Memoiren einer (iroliimilter". \ um Baiilinc AA e ii g e r o f > Ich war >5 Jahre alt. als meine /vvei .lalire altere Schvv ester \ erlnht vv u rd e. Ja. sie w >> r <1 e \ erlnht und nicht (wie es jetzt hei der Mädchen heilllbsie haben sich \ erlnht.' I nsere I Ilern und die des Bräutigams unterhandelten durch den Heiratsvermittler ..Schadchen" miteinander und bespräche!!, wieviel Mitgift. Kleider und Schmuck von beiden I eilen der Heiratspartei gegeben vv erden solle. Meine Schwester bekam ihren Bräutigam, ihren Lebensgefährten, vorerst überhaupt nicht zu Bestellt und konnte sich nicht überzeugen, ob sie ihn lieben konnte, und ob er ihrem (ieschtnack und den Idealen entspräche, die sieh ein Mädchen von ihrem Zukünftigen heimlich bildet l'nsere Litern teilten ihr nur mit, dalf ein gewisser Herr L. aus der Stadt S. um sie werbe. I nd d i er aus gutem Hause, reich, nicht häülicli. und schon ein selbständiger Kaufmann (zwar schon einmal geschieden) wäre, fanden unsere Litern diese Bai tie angemessen und gaben ihre Zustimmung. Nun sollte es auch meine Schwester tun. Weit entfernt, den mindesten Zw eifei in die Worte der Litern zu setzen, machte meine Schwester keinerlei Hinwendungen. Mit dein, was die Litern bestimmten, war man eben einverstanden! Ball sie mit der Wahl zufrieden war. war selbstverständlich: war es doch üblich, in dieser Lorm die Tochter zu v erheiraten, und sie waren in der Lite'glücklich. I*ie Mädchen von Anno damals wollten, dall der Mann, den ihnen die Litern bestimmten, von (iott bestimmt war (iott wollte, dall er ihr Lebensgefährte wurde, und s,> fügte man sich vom ersten Augenblicke in alle Schicksale des Lhelebens mit (ieduld und Brechung. rfeJHetc tftmaelrSirrmmtbJ nn rrn.~So wurde die damalige Lite von I rau und Mann als ein heiliges Band betrachtet, das nur der l'od trennen kann, und nicht wie jetzt, wo die Lhe lediglich auf dein guten Will e ii der Lhegatteu basiert ist. Bei einer auf die alte Weise geschlossenen Lhe kamen selten Zwist oder Uneinigkeit unter den Hatten vor; meistenteils haben sie ein glückliches, zufriedenes Leben bis zum hohen Alter geführt, und ein solches war auch meiner Schwester vorn lieben (iott beschicken. Meine Schwester wurde also Braut, bekam von ihrem Bräutigam wertvolle Brillanten zum (ieschenk geschickt und sehr oft Briefe, auf die sie sofort antwortete. Her Briefwechsel war schon nicht olute gewisse innere Anteilnahme. Anhänglichkeit und Liebe, aber durchaus nicht schwärmerisch. Immerhin kam doch darin zum Ausdruck, dall mau sich nach einander sehne und mit Herzenslust einen Brief erwartete und empfing. So vergingen fünf Monate Lines Morgens, d.i meine Mutter mit uns allen beim I rulistuckstisdi sali, sagte sie zu meiner Schwester: ..Ich hoffe, dall deine Hochzeit nach drei Monaten st.itftmdeii wird " Meine Schwester wurde bei den Worten der Mutter blall Die Mutter fing an. sie mit einschmeichelnden W orten zu beruhigen. Mit lächelnden Mienen, aber doch ganz ernst, sagte sie: ..Ls ist schon Zeit, du bist bereits achtzehn Jahre' Meine Sehwvstci aber antwortete nichts, stand rasdi vom Sluhl auf. ging in ihr Zimmer, wo sie heftig za schluchzen aiilmg Wel che (iefuhle ihr diesen I ratietistrom erprellt haben konnte man wohl erraten l nsere Mutter legte je - JcnfulLs weiter kein He wicht darauf Meine Schwester selbst konnte'' sid. aber ilite It.inen -..<■!■ kune Kb'chcuschuit geben \ idleidit hat verletzte' Stolz sie erpret't; sie -kannte—nie bl—e innnl. ihn— Bräutigam persönlich und sollte d ■ eist nr IL>di- /eit zu sehen bekommen. Nun fingen die \ oibe teitauben zur Hochzeit .n /.liefst tiarderobe'- l's vvuideh von den I leschaltei: Stoffe. Zeuge. I eliiw and usvv. gebracht Meine Schwester aber kümmerte sich scheinbar mit wenig darum. Sie wurde nachdenklich, still, und ging I" sich gekehrt herum. Meine Mutter und die altiim Schwestern bestellten die Näharbeit lhe Braut -über schrieb letzt ntui an ihren Bräutigam, wohl um ihre erschütterte Bulle w Kdcjtzuliuden I >tc Antworten waren sehr liebenswürdig l iiseu l .ltein und die des Bräutigams setzten be. der \ er lob.ung als den lag der Hochzeit einen Bon uerstng im Monat September des Jahres, .|s.js je st (Ls war ein Bosch-Omdesch.i Ich sollte sdion ein langes Kleid zu dieser Hochzeit bekommen als ältestes Mädchen im Hause, folglich audi Kandidatin der Lhe. I he W irtschaft und \ orbereittmg zur Modi zeit nahm mich sehr ul Anspruch, lage-lang ha'U ich ii. vier Küche mit Backen. Braten. Koche n zu tun Aber ich liebte diese Be schaftigung. wählend mein, "Schwester das Lesen und Nahen vorzog Meine alte ieil Scliwestein ■besorgten Jeu llausi.it und ehe Kle i1 dungsstücke für ehe Blaut Sie bekam ein «lieh lila Seidenkleid, mit weiltet. Ille .leieiispitzen besetzt /tun Brautkleid. einen Mv Henkt.in/ und lauge n "diK a r dazu. <1 hts Kleid W.lt llll \ e'rgleudl mit de n damalige e Sitten .nif i.« II i c; modern I Sonnabend VOI eie III lest. ge setzten I e I mm w ar Bolle r.d'e nd damals nannte man'ihn ..Simres' Alle I teinielmiien und Be kannten Kamen, und w ir waten lustig.und tan-Men uns mtiele e!a wir Mädchen auch dtv Kavaliere v oi stellen, mullteti. Mit einem Mann zu l.mzeri' ve ib>>t unsere leligiose Lr/ielmug. Mein Aalet »nd die bekannten Herren sahen zu lind ergötzten sich an dem schone' Anblick des Solotanzes der russischen \-k.is.it/ke der so reich ist an kiinstleris.liet' > i-.ni/! gure-n an graziösen Bewegungen und Schwenkungen Bald war die llll tuschen leiupo getanzte Halopp.ietean der Beibe. die zu zweien in der Bunde des >.ilmo getanzt und wobei in jeder de t vier Zimirie recken tut einen Moment Halt genta dit. vv urdc Ba/wicdu" kam auch das lustigel.m/tl Begele. eine Art Bund tanz, dami ..cdmsidl'. zu dem eine hoch'! nimmt. W eise mit I anfate tumisik und l.imbiirm gespult wurde. I tidbcli wurde audi ehr crntteel.n.se gar / lerbcb-manierlicb get.m/t B« t AA.d/et aber war r.icht sonderlich beliebt lhe läge' von >I »niabe nd bis Bnietstag waren unruhig und reich an Arbeit Aber au >e dem Abend dieser läge kam die Musik ihm der Braut en>> - .guten Abend' einen .dohr, wetsdier aut/uspi, le. und .in je eie in Mol gen horte i w n > n i,i,teu AI ■ ^tandclig-n' . .John eisen ' >e > -ln , an M.. d t ■ c r - lustiges I .Itl/c hell Mi.lebten I' herrschte gar / dt. patriarchalische Sitte , die 1->rde rI dall >|nurdis.he Hoch/eil V le r w ..ehe ll elalle r i. soll Ale n e vdi w e st..' hoffte, et all ihr Bl .Oll lg.i.tl wenigstens zwei l.i.e- V >>: eler Hochzeit kommen ve urde lind war m den et.-ter lagen imuitctci .geveorden Als >ed>>ch schon Jer Mittwoch de r le tzte’ AA odie ’ ahte .! .*’< H dliiung J

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