Die jüdische Frau
- Journal
- Die jüdische Frau
- Volume
- 1 (1925)
- Issue
- 12 (22.10.1925)
- Date
- 1925-10-22
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 80% known words query
- IRI
…/4899998-4932193-4932296--245-4900230- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Mi IBIIIIH llll IVcrantvortlldi (Ar die SdirtfHclhinf: Freu Rtcln« l»eec»ohn. tWrtln. Gtdt«n4unf<n und HaauukrlpH ilad tu rkMcn m die iedektto«: Anne IW«k N«d«l («Dtc )M. Frau*). B*rili» VM. Elelebener Strafe 17 FUUburg Eredielnt twetmal Im Hon«!. / DttugipreU: CiMttnuiunff N htnal| vUHeiMhrildi 175 Hark ✓ halbjlhrfldt SSO Hark , JihrttA 4 Hark. Alleinige Anialf* Aanftakmr (WHln SW II MnlurKirv Stv*«« t? Teleio« NoiendoH MM / PtMUArAloolo (Wvlln «7»!« AmtlgenpreUe ‘ , Wlte ISO Hark 1 , Wtfe ISO Hark / 1 . Seile 7« Hark » .SelH ST.SOHark / ' SelfrJgH /* Seite 10H Hur Seite« o4a» fern«»«»# VrraalvortHd Ff de« Anretgenlell: Paul Lenge flerll« Tempel««! Jahrgang 1 22. Oktober Heft 12 AUS ©IE.71 UJIETTOLEBEV UV IJE1TSH1LVVD _ZIH ZEIT »ER MHElZZt«!;' Von Rabbiner Or. Max H c e r m a n n - Insterburg. I )as eigentliche Thema. üas''die mittelalterliche «jeschichte der deutschen Juden wie eine ewige Melodie heherrscht. ist nicht das ermüdende Liuerlei bedrückender Ausnahmegesetze und blutiger Ausschreitungen. sondern das freie Spiel der geistigen Iiewegungen. sei es in der Veredelung der Lebensformen oder in der Vertiefung der Religionsgedatiken oder in der Verarbeitung der von auHen empfangenen Kulturanregungen. Auch in den für die deutschen Juden so leidensreichen Jahrhunderten der Kreuzzüge bemerken wir trotz blutiger Verfolgung und boshafter \erhetzung. trotz des bangen I nsicherheitsgefiihis, das wie ein schwerer Alb am ihnen lastete, eine religiöse \erinnerlichung von wunderbarer l iefe, eine I »urchsittigimg des (iemiites von ergreifender Zartheit, eine Versenkung in die tiberkoinmeneii Litcraturschat^ct von grenzenloser Liebe. -^HH-vv-ar-tfcr'dcrrprche Jude damals I »etiKer und hulder in einem. I »ie Ulenden, die. so es bei ihnen brannte, nicht gerettet, sondern in die <ihn geworfen wurden, die Armen, über denen stets das Schwert des Verderbens schwebte, die Unglücklichen, die jeden Augenblick bereit sein nmUten. ihr Leben preiszugeben für ihren < Hauben, sie konnten mit dem Psalmistcn sprechen: „Wäre deine Lehre nicht meine Lust, untergegangen war ich in meinem Ulend".- Aus diesem HevvuGtsein erwuchs ihnen die Krall zu einem sittenreinen, geistesirischen, glaubenshmigen I »asein. das neben ergreifenden Martyrologien eine Lulle heiterer Seiten aufweist. \ersuchen wir es. die in den t ieschichtsguellen zerstreut^ Linzeizüge zu einem anschaulichen Hild vom deutschen (ihcttolehcn des elften, zwölften und dreizehnten Jahrhundert', zuxammenzutugen. Wenn ein Wanderer ums Jahr IJtin sich dem Weichbild einer deutschen Stadt, etwa in der Rheingegend. näherte, so erblickte er schon von weitem ein Iktestigungsvverk mit Mauern und I urmen. War er dann durch das Stadttor getreten, so fiel sein Hlick zunächst auf eine Reihe ärmlicher Hutten, die als Vorbau einen stattlichen I »iingcrhaufeii und im Hintergrund < ietnusegärten und «ietreidefelder auf-, wiesen. Handel und Industrie führten ins Innere der städtischen Siedelung. Ourclt enge, winklige «lassen, in denen die Krämer und Handwerker wohnten, kommt man auf den Markt. Hier erhebt sieh das Rathaus und die Kirche. I nweit von jenem erblickt man zwei Holzlore: es'sind die Pforten des luden - Viertels. Sie werden bei I agesaiibriieh geöffnet, w enn die < flocken zur brulitiicsse ertönen, und abends beim Ave Maria-Lauten geschlossen. I nregeltnalhger noch als die übrigen Stadtteile nimmt sich das « ilictto aus. Im Mittelalter war es überhaupt mit Ordnung und Reinlichkeit auf den städtischen «lassen »bei bestellt. Ohne Holzuberschuhe konnte man schwer über die Straffe gehen, so viel Schmutz, sdilutmn und Unrat pflegte sich dort anzusuinrnclii. Irw.n teten die Hurger hohen Hesuclt. etwa ein lurstliJies Mr.mtpaar. dann bedurfte es grober Anstrengung, du Straften in einen gajigbareii Zustand zu versetzen. Noch Jahrhunderte spater klügle de i \r/t und 11\ giemker (iuarinoui über die mangelhafte Reinlichkeit in den süddeutschen Städten. Itcdcnk! man. dulfden Juden in der Regel das ungünstigste t u lande zur He siedelung uberlassen und ihnen oft die Möglichkeit genommen wurde, bei wachsender Zahl du «ireii/eu ihres (ivbietes zu erweitern, so wird man ui vier Annahme nicht fehl gehen, dal! das hideiujuartie r anllerlich keinen erfreulichen Anblick gewahrt hat. Aber so trüb und unwirtlich es auf den SlraHeii wai. so traut und einladend mutete das Innere der Hauser an. Was von den ersten «ihettts der Weltgeschichte, den alten luderistatteii zu «losen, die Schrift beruh tet: „I »en Kindern Israels war licht in ihren W ohmni gen", das erfüllte sich auch ui ihryr laugen'mittelalterlichen Leidciisnacht Mit dem Agadalchrei konnte das deutsche Israel das Wort des Hohenliedes auf sich beziehen: „Wie Kedarenzelte dunkel Hin ich. Hals und Antlitz braun. Wi<- des Königs k roiigetunkel Hin ich.lieblich an/uscliaiin " I reten wir in ein «ihcttohuiis I s ist du Wohnung des \orstchvrs Oer lleiliige glimmst An-eliu von Hereiigar sei unser I ulirer I »urcli ein enges I uitor gelangen wir rn einer- Schmaleti «lang, an dessen I ndi eine Me udeltieppv zum Oberstock fuhrt. Wir blicken ui e.n heil V rleiic h tetes < iemach An den Wanden hangen kunstvoll .;e webte I »ecken, aui den Hoden ist ein pi.uhtig g Airkter I eppich gebreitet In der Mitte des S.ules stell! ein I icheiitisdi mit silbernen I ulkn ein He weis von dem Reichtum seines Hesit/er