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Die jüdische Frau · 1925-07-22 · 6 (22.7.1925) · p. [Seite]

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Journal
Die jüdische Frau
Volume
1 (1925)
Issue
6 (22.7.1925)
Date
1925-07-22
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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I I I Amten an. ..W'illt ihr. was eine Sünde ist?“ rief sic .ms I »an» kniete sie liehen den Sari: und flüsterte wie plaudernd in das Ohr ihres Kindes, lamte. laintc. ..Nicht wahr, du hittest fur mich; nicht wahr, .In ~ wartest aut mich. keinclicn. mein (inldl Bald bald!" Mas waren die abgerissenen Worte, die inan aus ihrem Oeilustcr \erunhm. Last die itan/.e t ieineinde hec'leitete ihren Lieb- Iiiic zur Gruft. her Watten Spohrs folitte dein Zu ha dies den I rauen nicht gestattet ist. so hatte -kascJudelivii sich aut l mw eiten himursifeschhcheii und au der Hecke des I riedhofes versteckt. .Mit sanfter he wall wollte man sie fortfulireii. Man hatte ihr hei enteil I.eilten l nterkunft austtciuittclt und die haineii hatten eine bescheidene l’ensiön fur sie subskribiert Ms sie aber au dem kleinen Mäuschen im I >orf. nächst dein ..enteil < >rt"'). voriihcrknm. in dem die Kranken der < ieineinde \crptlcet wurden, hat sic ilehentlich. ihr dort ein Asvl zu eonneii. Man will - lahrte ihr. Wochen \erbrachte sie dort, tätlich das hrah ihres Kindes besuchend; dann, meldete sie sich, als die I.eichenwascherin plötzlich starh. für deren Melle. Sie hat sie fast dreiltiir Jahre laue bekleidet, nur mit den loten lebend, die ihr die Holen ihrer I icbesi;rillte waren: mit den Lebenden \crkehrtc sie kaum.. Ich hatte an einem Sabhath einen Spazicritain: ms Licliw aldchen gemacht und kam an der Hecke des I riedhofs \oruher. den an dem heiligen Tai: uio- 'I l'ncdlmt. mand betritt. Auf einem mit Blumen reich bepflanzten Grab-Hüttel sah ich die zusammemtekauerte Greisin. In dem naheliegenden ..Lischhaus" war Musik: die Töne f.iin*r Oi'iiQ' U:mtr..|i I.-is,. -/ittiiriifl boriihor I »I. sah ich. wie kascheichen die Hände zum Himmel hob. ein tiefer Seufzer entramr sich ihrer Brust, als 'wolle er gewaltsam ihre Seele lüniibertruitcn. Teilnehmend trat ich näher. Sie erschrak. Aber dann blickte mich ihr mattes Amte forschend an. als ob sie mir etwas zju saiten hübe. .Kennen Sie mich?" ft a 'te icli.-.—— ..Wie soll ich Sie nicht keimen!" erwiderte sie. ..ich hab’ doch Ihre kleine Schwester Lstherchen begraben, dort licet sie an der Hecke neben dem W'cidcnbaum. l ud Ihre Litern. Gott lohn' es Ihnen, haben mir immer Gutes iretan." ..Lud hat die lainte Zeit Ihren Schmerz nicht zu stillen ven" - ht. arme brau?" traitte ich itcriihrt. ...la. es ist laue her“, murmelte sie. ..wie laue? ich liab's nicht eezählt. Und das Herz ist auch still eeworden. aber der Kopf! Ich zerbrech* mir den Kopf schon zwanzie Jahre laue und drüber. Soll so ein arm' Menschenkind dem Manu oder den Litern foh'en? Was ist keclit? W'as ist Unrecht? wenn beides "«.'schrieben stellt. Sie sind doch ein studierter Mann, w ie leiten Sie mir’s aus. daII ich leb' und sie tot ist? Wann werd' iclis erfahren? Wie lamte w ird's noch dauern?" Ls hat nicht lauvrc mehr gedauert. Ob sie's erfuhr. was keclit und was Unrecht sei? Wer kann's enthüllen? IKK TOISN KKSTKK iKBURTSVAft Von Arno Nadel. I s war der loten erster Lrdcntatt. Kaum hob die Sonne sich aus Schattenfeldern. Sprune auf die Schlatcriu und wubte eieich. Halt sr limahiteliii dürfe in die Stadt. Hie alle teuren < >rtc bare der Liebe. Sie sah sieh an. staubt' ab das weilte Kleid. Itaml soresaul sich das Haar in neue Liechten. Mi ich mit den Händen sich die Warnten rot l nd eme durch 1 rd und Luft der Seele nach /.n dem. der sie eeliebt. bis an das Lude. Sie sah sich m den Stuben um mul Kammern. I s war ihr leid, den Liebsten früh zu wecken. I ml als sic zoeernd trat ins Schlafeemach. Ua Ine er schwer im Bett, in ihrem Bette. I r schauerte zusammen, fuhr empor. I ud als et dachte: heu * ist ihr < ieburtstae. Ua fine ei bitterlich zu weinen au. I ud als sie ihn so bitter weinen sah. I mschlaue sie mit den Armen seinen Leib I nd redete unhorbär suite Worte: Mein I leblme. wer bereitet dir den Ine? Wer sceuet dein Beeinnen. deine W cev? O wundereutes Herz, wie bin ich sclie. I »is.li so iiii Alm zu halten, so am Herzen! I i wultte nicht, was um ihn her eeschali; Uie lote kummeits nicht, sie ruft und redet V nd tröstet ihn um liebesw armem Leide. Nun knltl sie leise seine Stirn und echt: Zum Llteruhausc lenkt sie ihre Schritte. Wehmütiit. schweigsam itriibt der (fast den Gartet . Sie sab so oft mit ihm vor diesen Beeten. Ach. wer so liebt wie sie. liebt andre w enit:. Sie reibt sich rasch hinauf da stellt der Vater: Mit beiden Händen fallt sie seine Hand. Drückt sie. er fühlt den Boden schw inden. - I ilt dann zur Mutter mnrestüm hinein. Ua ist sie. o mein Gott, wie ist sie welk! Wach ist die Mutter seit dem ersten Schimmer. — l ud wie das Kind unsichtbar zu ihr tritt. Bricht auf ihr Herz, sie kanns nicht lämtcr tragen. Mein Mütterchen, mein liebes Mütterchen! Sie sinkt ihr an die Brust und hält sie fest. I s rühren die Geräte sich im kaum. Nun muh sie itehn. sie darf nicht länger weilen. Sie wendet sich. itetraite» mehr denn schreitend, /.um kuhcortc. winkt mit Geisterhänden So mancher Geltend, wo noch Lrcundo wohnen, sicht in den Strahcn Menschen, froh, iteschäftiit. Noch einmal, ach. zum letztenmal noch einmal. Nun ist sie aintelanitt. sie schaut sich um: I reundinnen haben Blumen heritetraite». Sie tastet Blum um Blume ab und dann. I übt seufzend sich zum finstern Haus hinab. Zieht jedes bältchcii des Gewandes gerade l nd leitt sich hin. zu ruhen, zu verstummen. Im nächsten Jahre wird sie wieder wandeln. H I

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